Eventuell Lieferung aus Ungarn

Streusalzmangel: Wer nichts hat, kauft um jeden Preis

Hersfeld/Rotenburg. Es ist Winter, und unser Landkreis, der über das größte zusammenhängende Kalirevier Deutschlands verfügt, schreit nach Auftausalz.

Die Jugendherberge in Bad Hersfeld leiht sich in ihrer Not Salz bei der Kreishandwerkerschaft, im Fachhgeschäft Grebe am Linggplatz kann die Verkäuferin die Frage „Ham Sie noch Streusalz?“ nicht mehr hören. Es ist seit 14 Tagen ausverkauft.

Nicht nur die Straßenmeisterei Bad Hersfeld, die 340 Kilometer Straßen befahrbar zu halten hat, sondern nahezu alle Städte und Gemeinden im Landkreis haben diese Probleme. „Die Lage ist katastrophal“, sagt Rotenburgs Bürgermeister Manfred Fehr.

Für diese Woche habe der Deutsche Straßendienst (dsd) eine dringend benötigte Lieferung angekündigt. „Doch stattdessen haben wir die unglaubliche Nachricht erhalten, dass wir erst Ende März mit der nächsten Lieferung rechnen können“, berichtet Fehr. Die dsd ist die Vertriebsgesellschaft des Kasseler Kaliproduzenten K+S.

Hoffnung aus Ungarn

Jetzt hofft Fehr, dass wenigstens eine Bestellung aus Ungarn geliefert werden kann. Von dort stamme auch die letzte Lieferung – 25 Tonnen, die vor einer Woche beim Bauhof angekommen sind. „Davon sind noch etwa fünf Tonnen als letzte Reserve übrig – da noch unklar ist, woher und wann wir Nachschub bekommen, müssen wir damit äußerst knauserig umgehen“, kündigt Fehr an.

Die wichtigsten Straßen zu den Krankenhäusern würden freigehalten. Auch das Splitstreuen sei keine wirkliche Alternative: „Das ist in relativ kurzer Zeit wieder abgefahren“, sagt Fehr. Dabei zahle man für das knapp gewordene Streusalz bereits beachtliche Preisaufschläge: „115 Euro pro Tonne hat uns die letzte Lieferung aus Ungarn einschließlich Fracht gekostet – im Dezember lag der Preis noch bei etwa 85 Euro“, sagt Fehr.

Ulrich Göbel, Sprecher der Kasseler K+S, versichert, dass seine Firma alles tue, um die unerwartet hohe Nachfrage wegen des strengen und langen Winters zu befriedigen. In der vergangenen Woche habe K+S allein am Standort Hattorf an fünf Werktagen 25 000 Tonnen Streusalz produziert. Die Regel in dieser und in der kommenden Woche werde eine Produktion von 5 000 Tonnen sein.

Da es bei K+S keine Kurzarbeit gebe, könne man auch nicht mit aller Macht Auftausalz produzieren. Regulär fördern drei Werke in SachsenAnhalt, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen Streusalz. Für diesen Winter hatte dsd 800 000 Tonnen zentral und dezentral bevorratet. Wer vorausschauend gehandelt habe, hätte sich im Sommer zu attraktiven Preisen eindecken können.

Von Kurt Hornickel und Peter Gottbehüt

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