IBR Rohrbach baut in Rhina neuen Firmensitz – Nachbarn legen Widerspruch ein

Streit um neues Gebäude

So soll das neue Firmengebäude mit Klinkerfassade aussehen (Anblick vom Dorf aus).

Rhina. Ein aufstrebendes, mittelständisches Unternehmen aus Rhina will erweitern, aber vier Nachbarn sehen die laufenden Bauarbeiten mit Argwohn.

Robert Rohrbach (59) hat sein Unternehmen vor 32 Jahren in dem Haunetaler Ortsteil gegründet. Der Elektroingenieur ist im Bereich der Messtechnik unterwegs. Zu seinen Kunden zählen weltbekannte Unternehmen aus der Automobil- und Flugzeugindustrie und deren Zulieferer. Wenn Rohrbach Messeinrichtungen konstruiert, die Werkstücke wie Pleuel oder Kurbelwellen auf Toleranzen vermessen, dann geht es nicht um Milli-, sondern um Nanometer. Seit ein paar Jahren sind seine Söhne Martin (34) und Bernd (31) mit im Geschäft. Der eine Elektroingenieur wie der Vater, der andere Mechatronikingenieur.

Der Hightech-Anspruch steht im krassen Kontrast zu den derzeitigen Räumlichkeiten der Firma in der Kirchstraße 20, die 25 Mitarbeiter beschäftigt. Recht kuschelig, aber ziemlich eng. Im Dachgeschoss des Wohnhauses stehen dichtgedrängt Schreibtische. Alles ist vollgepackt mit Messeinrichtungen. Über Treppen geht es in andere Stockwerke, die ebenfalls genutzt werden. Außerdem hat das Unternehmen weitere Räume in der Nachbarschaft und anderswo angemietet.

„So geht es nicht weiter“, hat Robert Rohrbach erkannt. „Wir könnten noch zehn Leute einstellen, aber wir haben einfach keinen Platz mehr“, sagt sein Sohn Bernd und verdeutlicht: „Wir gefährden unsere Konkurrenzfähigkeit, wenn wir nicht Platz für neue Fertigungstechniken schaffen“. Robert Rohrbach ist deshalb sogar bereit, seine eigene Altersversorgung in die Zukunft des Unternehmens zu investieren. So entsteht derzeit nur ein Steinwurf entfernt ein neues, repräsentatives Firmengebäude. Es wird zweistöckig und hat ein Grundmaß von 66 mal 22 Metern. Es hat ausreichend Platz für Büro-, Mess-, Sozial- sowie Schulungsräume.

Die Rohrbachs legen Wert auf eine ansprechende Architektur mit Klinkerfassade, Dreifach-Verglasung und Dämmung. „Das wird kein Billigbau“, sagt Rohrbach. Fertig gestellt sein soll die Immobilie im August nächsten Jahres. Wie viel sie in das Projekt investieren, möchten die Rohrbachs nicht verraten.

Doch Nachbarn wie Ilse Trott sehen die Bauarbeiten, die seit Ende Juli laufen, mit Sorge. Sie wollen mehrere Verstöße ausgemacht haben und haben deshalb einen Baustopp beantragt, über den aber noch nicht entschieden ist. Trott sorgt sich zum Beispiel wegen der meterhohen Erdhügel, die oberhalb ihrer Häuser aufgehäuft wurden. Sie stammen vom Erdaushub für den Neubau. In der Tat handelt es sich um imposante Berge, die über dem Dorf thronen. Trott befürchtet Schlammlawinen, die auf die darunterliegenden Häuser rutschen könnten, gerade jetzt, wenn es öfter regne. Für diese riesige Menge liege keine Genehmigung vor, behauptet Trott, ebenso nicht für das Gebäude, das länger ausfallen solle als erlaubt. Daneben macht sie weitere Mängel geltend: Das erforderliche Bauschild fehle, das Verhältnis von Gewerbe- und Mischgebiet liege nicht bei 50:50, sondern bei 99:1 und es drohten Emissionen wie Lärm, Lösungsmittel und Vibrationen.

Außerdem sei es Irrsinn, das Oberflächenwasser auf dem Grundstück versickern lassen zu wollen. Auf dem Lehmboden könne das nicht funktionieren.

Robert Rohrbach und seine Söhne sind wegen des strengen Gegenwindes, der ihnen plötzlich entgegenbläst, irritiert. Sie können sich den Grund dafür nicht recht erklären. „Ich bin seit 2007 mit den Planungen befasst, und alles, was wir tun, ist selbstverständlich genehmigt“, versichert Rohrbach. Zum Beispiel die Erdaufschüttungen. Überdies habe die Baufirma Giebel aus Eiterfeld versichert, „dass alle bautechnischen Vorschriften eingehalten werden und keinerlei Gefahr besteht“, dass Erde abrutschen könne. Die Erdhügel, so Rohrbach, dienten lediglich als Zwischenlager. Bis Ende des Jahres seien alle verschwunden. „Warum sollten wir unser Baugelände mit Erdhügeln vergeuden?“

Ein Teil der Erde wird auf dem Firmengelände verbaut, ein zweiter auf der Ausgleichsfläche unterhalb des Tennisplatzes, und der Rest, überwiegend Mutterboden, werde von Giebel abgefahren und weiterverwendet. Die Erde auf der Ausgleichsfläche muss terrassenförmig aufgeschichtet werden. Ein Plan weist aus, wie genau das zu erfolgen hat. Die Anpflanzung mit Gehölzen werde von den Behörden ebenfalls überwacht, sagt Rohrbach und versichert, das vorgeschriebene Bauschild hänge seit Ende Juli. Das Bauvorhaben beanspruche 50 bis 60 Prozent des Baugebietes und nicht 99 Prozent. Die Regenwasserversickerung sei gutachterlich geprüft und genehmigt. Der Lehmboden spiele dabei keine Rolle, weil man das Wasser in die darunter liegende Sandschicht ableite. Und wesentliche Emissionen seien nicht zu erwarten.

Die Angaben der Rohrbachs werden von der Gemeinde und der Kreisverwaltung in allen Punkten bestätigt. Trotzdem befasst sich der Anhörungsausschuss beim Landkreis am Dienstag, 5. November, mit dem Widerspruch der Nachbarn. Das Kreisbauamt ist als Genehmigungsbehörde zuständig, die Gemeinde muss allerdings ihr Einvernehmen erklären. Kreispressesprecher Michael Adam sagt zu der Angelegenheit: „Es ist alles rechtmäßig, es liegen zwei rechtmäßige Baugenehmigungen vor.“ Er weist zudem darauf hin, dass es sich bei IBR um ein seit 30 Jahren in Rhina tätiges, alteingesessenes Unternehmen handelt. (ag)

Kommentare