Mitarbeiter des Kreises setzen sich für Kollegen ein – Öffentliches Leben geht weiter

Streik, den keiner spürt

Erzieherinnen lassen ihre Schützlinge nicht hängen: Verena John, stellvertrende Leiterin der Kita in Sorga (links), und ihre Kolleginnen sprangen für streikende Kita-Mitarbeiterinnen mit ein. Foto: Maaz

Hersfeld-Rotenburg. Mehrere hundert Arbeiter und Angestellte des öffentlichen Dienstes im Kreis legten gestern die Arbeit nieder, um an der zentralen Kundgebung in Fulda teilzunehmen – das öffentliche Leben in Hersfeld-Rotenburg brach allerdings nicht zusammen.

Busse und Bahnen verkehrten ebenso regelmäßig wie die Müllabfuhr. Im Klinikum lief der Betrieb normal. Sprecher Werner Hampe sah keinen Unterschied zum regulären Betrieb. Selbst vor der Unfallambulanz ging es gestern ruhiger als gewohnt zu, wie Hampe diagnostizierte.

Unterstützung für Azubis

Am frühen Morgen hatten sich die streikenden Mitarbeiter an Bord mehrerer Busse am Landratsamt und am Aquafit begeben, um in Fulda die Forderungen zu untermauern.

Für die Lohnerhöhung, aber auch eine faire Bezahlung der Auszubildenden in der Kreisverwaltung stieg die medizinisch-technische Assistentin Uli Prause aus Kohlhausen in den Bus, eine der beiden Vorzimmerdamen des Amtsarztes. „Eine Pauschalzahlung von 200 Euro wäre mir lieber“, sagt Uli Prause, die mitkämpft, gerade weil sie im kommenden Jahr in Altersteilzeit geht.

Im Hintergrund teilte der Ver.di-Vertrauensmann Gümbel die Plastikwesten mit Logo aus, die aber nicht über jeden Mantel passten. So vertrauten die Mitfahrer im Bus auf den Anbruch des Tages und den gemeldeten Sonnenschein.

Achim Ruppel ist Hausmeister und fände es schon angezeigt, wenn die unteren Lohngruppen im öffentlichen Dienst pauschal gestärkt würden. Den Hinweis auf die knappen Kassen bei Kreis und Gemeinden lässt Gabriele Hattwich, die Vorsitzende des Gesamtpersonalrats beim Kreis, nicht gelten. Schuld sei der Bund, der den Kommunen immer mehr Aufgaben aufhalse ohne dafür zu zahlen. „Die Verletzung des Konnexitätsprinzips wollen wir nicht ausbaden“, sagt Hattwich.

„Wenn man sieht, was allein beim Wulff rausgeschmissen wird, rechtfertigt das unsere Forderungen“, sagt Wolfgang Meise aus Bebra. Sein Kollege Kurt Rüger vom Bauhof des Kreises hat seine letzte spürbare Lohnerhöhung 1992 bekommen.

Von Kurt Hornickel und Nadine Maaz

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