Opernfestspiele: Mozarts „Don Giovanni“ und sein Umfeld – acht Vorstellungen im August

Streifzug mit Frauenheld

Wieder auf dem Spielplan: Wie schon im Jahre 2006 (Foto) wird zu den Opernfestspielen im August Don Giovanni in der Bad Hersfelder Stiftsruine aufgeführt. Archivfotos: Hartmann

Bad Hersfeld. „Don Giovanni“ wurde die „Oper der Opern“ genannt. Der Grund liegt nicht nur im Zusammentreffen von Lorenzo Da Pontes mustergültigem Textbuch und Wolfgang Amadeus Mozarts genialer Musik, sondern auch in der breiten Spanne von Deutungsmöglichkeiten und in der Vergegenwärtigung eines alten Mythos zum historisch treffenden Zeitpunkt. „Don Giovanni o sia Il dissoluto punito“ (Don Giovanni oder Der bestrafte Wüstling) - dies der Originaltitel - erschien Ende 1787 auf der Bühne in Prag, zwei Jahre vor Ausbruch der Französischen Revolution.

Rebell gegen den Anstand

Die Frage eines historischen Vorbildes für den ewigen Frauenverführer, den Rebellen gegen Anstand, Tugend und sogar überirdische Mächte, muss ebenso offen bleiben wie in der Sage vom Doktor Faust. Aber anders als in der Literarisierung der Faustfigur kreuzte Don Juan (so die spanische Namensform nach dem Herkunftsland des Mythos) in der Dichtung sofort als in allen Zügen vollendete Gestalt auf, nämlich in Tirso da Molinas 1630 erschienenem Schauspiel „El burlador di Sevilla y convidado de piedra“ (Der Verführer von Sevilla und der steinerne Gast).

Mit dem steinernen Gast, dem Grabmal des von Don Juan im Zweikampf getöteten Don Gonzalo, kommt die moralisch-religiös-jenseitige Sphäre der Höllenfahrt ins Spiel, die zusammen mit Juans erotischem Hunger die motivische Grundausstattung fast aller folgenden Stoffbearbeitungen bildet.

Die nächste klassische Fassung stammt aus dem Frankreich des „Sonnenkönigs“, Jean-Baptiste Molières Komödie „Don Juan ou Le festin de pierre“ (Don Juan oder Das steinerne Gastmahl; 1665). Hier hat sich der Titelheld merklich gewandelt, hat an Leidenschaft und Typisierung verloren, an Intellekt und vor allem zynischer Charakterisierung gewonnen. Keine einzige Verführung gelingt ihm mehr, und überhaupt wird das weibliche Prinzip viel plastischer und reiner ausgeformt als bei Tirso. Donna Anna, dort noch die weibliche Hauptgestalt, ist bei Molière gestrichen, an ihrer Stelle wird Donna Elvira zu Juans moralisch integrem Widerpart.

Von Siegfried Weyh

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