Kathuser Jagdgenossenschaft setzt im zweiten Jahr auf Eigenbewirtschaftung

Strecke stimmt, Kasse nicht

Hersfeld-Rotenburg. Schon im zweiten Jahr wirtschaftet die Kathuser Jagdgenossenschaft ohne Jagdpächter. Der Abschussplan der Jagdschutz und alle anderen waidmännischen Verpflichtungen, die bislang der Pächter erfüllte, hat der Vorstand in die Hände des angestellten Jägers Hendrik Mawick gegeben. Der ist im Hauptberuf Bewährungshelfer und hat es mit befreundeten Jagdscheininhabern im ersten Jahr der Kathuser Eigenbewirtschaftung geschafft, die im Abschussplan geforderten zehn Rehe und darüber hinaus 28 Schwarzkittel zur Strecke zu bringen.

Das hat der angestellte Jäger aber nur mit der Unterstützung der Landwirte selbst geschafft. Die Landwirte legten Wildäcker an und ließen in ihren Getreide-Feldern Schusschneisen, damit die Jäger überhaupt eine Chance hatten, das Wild ins Visier zu nehmen. Die meisten Wildschweine erlegte ein Jungjäger. Die Jagd auf Schwarzwild bedeutet anstrengende Nachtschichten und ist wenig familienfreundlich..

Weil der letzte reguläre Jagdpächter im Land der „Wilddiebe“ vor seinem Abzug alle Hochsitze hatte abbauen lassen, beschaffte die Jagdgenossenschaft selbst zwei Hochsitze und lieh sich welche in der Nachbarschaft; zwei weitere sponserte ein örtlicher Unternehmer und Großgrundbesitzer. Zum Teil wurde so das verwaiste Revier wieder „teilmöbliert“.

Momentan gibt es in Hessen 23 000 Männer und Frauen, die die Prüfung zum Jagdschein absolviert haben, demgegenüber stehen 16 500 landwirtschaftliche Betriebe.

Kein Schussfeld

Dadurch, dass die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe im heimischen Raum permanent schrumpft, wächst die Größe der Parzellen. Den Jägern, die maximal 100 bis 150 Meter weit schießen können, rauben riesige Raps- oder Maisfelder ohne Sichtschneisen und Wildäcker jede Chance, um zum Schuss zu kommen. Eine Entwicklung, die durch den Aufbau von Biogasanlagen noch gefördert wird. Momentan gibt es erst zehn im Landkreis.

Die Zusammenarbeit von Jägern und Landwirten half dabei, dass die Schäden durch marodierende Wildschweinhorden und hungriges Rot- und Rotwild sich im Rahmen hielten, wie der Sachverständige Carsten Mawick berichtet.

Obwohl das Revier ein Jahr lang in geordneten Verhältnissen gehalten wurde, fand sich auch in diesem Frühjahr wieder kein Pächter, der bereit war, die Konditionen der Kathuser Wilddiebe zu akzeptieren. Nach einem Jahr ohne Einnahmen, in dem die Landwirte auf die Anmeldung von Wildschäden verzichten mussten, kommt jetzt langsam wieder Geld in die Kasse.

Einnahmequellen sind der Hegebeitrag des Auftragsjägers der Verkauf des Wildbrets und der Trophäen. Für erlegte Wildschweine muss der Auftragsjäger nichts bezahlen.

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