EUROPOLIS 2050 - Podiumsgespräch in der Schilde-Halle über die Zukunft Europas

Das Streben nach Glück

Li, Lissy und Lea (von links) bereicherten die Gesprächsrunde mit jugendlichem Optimismus. Holk Freytag, Pfarrer Karl-Heinz Barthelmes, Prof. Dr. Lutz Niethammer und Prof. Dr. Jürgen Niethammer (4.-7. von links) standen Rede und Antwort. Ingetraud Rüsen (rechts) übernahm, wenn notwendig, die Übersetzung zum besseren Verständnis für die vielen englischsprachigen Gäste.

Bad Hersfeld. Europa in all seinen Facetten und Widersprüchen ist das Hauptthema der Festspiele in den nächsten vier Jahren. Dies reflektiert die Sommerakademie auch in einer Reihe öffentlicher Vorträge und Podiumsgesprächen in der Schilde-Halle. „Kriege, Umweltkatastrophen, Staatsverschuldung - Was sind die mentalen Bedingungen junger Menschen?“ war das Thema einer öffentlichen Veranstaltung, die von Intendant Holk Freytag moderiert wurde.

Zusammen mit dem international renommierten Historiker Prof. Dr. Jörn Rüsen, der der Sommerakademie als Präsident vorsteht, wurden vorab Fragenkomplexe entwickelt. Die sind Gegenstand des Dialoges mit den fünfzig Teilnehmern aus fünf europäischen Ländern des parallel stattfindenden Jugendforums, den Bad Hersfelder Bürgern und den Festspielzuschauern. Die Referenten Prof. Dr. Jürgen Reulicke, Prof. Dr. Lutz Niethammer und der Bad Hersfelder Pfarrer Karl-Heinz Barthelmes standen den Gästen an diesem Abend Rede und Antwort. Drei junge Frauen aus Deutschland, Israel und England komplettierten die Gesprächsrunde.

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, der instabile Euro, der Krieg in Afghanistan, der nicht zu gewinnen ist, die Entsorgung von Nuklearmüll, die Verschmutzung von Wasser und Luft, die ständig steigende Zahl von Krebserkrankungen und vor allem die Spaltung zwischen Reich und Arm, die Holk Freytag als eine Zeitbombe wahrnimmt, standen zur Diskussion. Vor der negativen Berichterstattung der Medien und den Einfluss rechter populistischer Kreise warnte Prof. Dr. Jürgen Reulicke. Aufgrund der notwendigen Übersetzungen und der begrenzten Zeit konnten die einzelnen Themen zumeist nur gestreift werden.

Die jungen Leute zeigten sich politisch sehr interessiert. Die achtzehnjährige Li aus Israel betont beispielsweise, dass der Spagat zwischen hellwachem Bewusstsein für die Probleme Europas und dem individuellem Streben nach Glück von ihrer Generation oft als Stress empfunden wird.

Lea aus Deutschland, die die letzten beiden Jahre in New Mexico am College studiert hat, nimmt das Leben wie es ist. Sie stellt allerdings fest, dass der Lebensstil in ihrer Heimat sehr verschwenderisch ist. Lissy versichert, dass die Stimmung in England bei den Jugendlichen insgesamt viel optimistischer sei. Das passt zu dem Schlusswort von Prof.Dr. Jörn Rüsen, das mit einem Zitat von Martin Luther endete: „Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, ich würde heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“

Von Gudrun Schmidl

Kommentare