250 Dinge, die wir an der Region mögen: Die Lange Heide – Teil 5 unserer Serie

Die Straße durch den Wald

Lichtdurchflutet präsentiert sich das Panorama des Wälsebachtals zwischen Reckerode und Kirchheim. Die einzigartige Schnellbahnbrücke mit ihren drei Bögen und die beiden Windräder stören den Blick von der Langen Heide nicht. Fotos: Löwenberger

Reckerode. Für die einen ist sie nur die kürzeste Verbindung zwischen Kirchheim und Bad Hersfeld, für die anderen die vielleicht schönste Straße im Kreis Hersfeld-Rotenburg. Manche meiden sie, wie der Teufel das Weihwasser, andere lieben sie und befahren sie täglich - die Landesstraße 3159, besser bekannt als die „Lange Heide“.

Vom Abzweig von der Bundesstraße 454 am Ortsrand Kirchheims bis zum Kreisel an der Uffhäuser Straße in Bad Hersfeld sind es exakt elfeinhalb Kilometer. Der gleiche Weg über die A4 ist 16 Kilometer lang und fährt man gar untenrum - „engeremm“, wie es landläufig heißt - über Niederaula, muss man noch mal rund 800 Meter drauflegen.

Zwischen Kirchheim und Reckerode sowie im Stadtbereich Bad Hersfeld unterscheidet sich die L3159 nicht von jeder anderen Landesstraße. Ihren eigentlichen Charme zeigt die Lange Heide erst im Wald. Sechs Serpentinen muss man auf der hier schmalen Route bewältigen. Seit vor wenigen Jahren die Asphaltschicht erneuert wurde, gibt es in dem Waldstück keine weiße Mittellinie mehr, was das Sträßchen noch schmaler erscheinen lässt. Vier Kilometer führt die Route durch das große Mischwaldgebiet. Auf kaum einer anderen Straße ist man ähnlich dicht an der Natur und erlebt den Wandel der Jahreszeiten so hautnah. Dabei fasziniert das frische Grün im Mai ebenso wie der „Indian Summer“ im Oktober oder verschneiter Winterwald im Januar.

Gefahr von Wildunfällen

Natürlich birgt diese Nähe zur Natur auch die Gefahr von Wildunfällen. Krasse Lichtwechsel erfordern es, auch am Tage das Abblendlicht einzuschalten. Wirklich schwere Unfälle aber hat es auf der Langen Heide in den letzten Jahren nicht gegeben.

Am höchsten Punkt der Strecke, der Ausfahrt zum Wanderparkplatz, passiert man die nur wenige hundert Meter nördlich gelegene Krämerskuppe, die geografisch noch zum Bergrücken des Eisenbergs gehört und gleichzeitig die Grenze zur Nachbargemeinde Neuenstein markiert. Der eigentliche Höhepunkt ist für mich persönlich aber der

weite Blick übers Land beim Herausfahren aus dem Wald oberhalb von Reckerode. Vom Eisenberg ganz rechts über die Ibraer Kuppe, tief in die Schwalm bis zum Rimberg und noch weiter nach Süden bietet sich ein großartiger Panoramablick. Am Hang gegenüber sieht man, wie steil die Rampe der A7, der „Reckeröder Berg“, tatsächlich ist und welche immenser Höhenunterschied hier bewältigt wird.

Mit ein wenig Glück rauscht gerade ein Intercity auf der Schnellbahntrasse über die einzigartige Bogenbrücke über das Wälsebachtal. Auch die vor nicht allzu langer Zeit aufgestellten Windräder stören meinen Blick nicht. Sie zeugen vielmehr von der Verbindung zwischen Natur und Technik. Dieser Blick ist nicht nur überwältigend, er ist auch immer anders: mal lichtdurchflutet, gleißend weiß im Winter, mal mit stahlblauem bis tiefrotem Himmel bei Sonnenuntergang und mit abertausenden von Variationen dazwischen. Und wenn frühmorgens, die Sonne im Rücken, im Tal die Nebelfelder wabern, dann ist das fast schon mystisch oder erinnert ein wenig an Tolkiens „Mittelerde“ in Herr der Ringe.

Kurz nach Verlassen des Waldes zweigt links ein Feldweg ab, wo ich ab und an kurz raste. Manchmal habe ich dort sogar das Glück einen kleinen Plausch führen zu können mit Gleichgesinnten, die den Blick für die Schönheit unserer Heimat noch nicht verloren haben.

Von Bernd Löwenberger

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