25. Jubiläum: Abschlusskonzert der Chorsängertage im Bach-Haus

Strahlende Glanzlichter

Geschlossener Klang: Auch im 25. Jahr ist es Professor Klaus-Jürgen Teutschbein gelungen, aus den 59 Chorsängerinnen und Chorsängern aus ganz Deutschland einen eindrucksvollen Chor zu bilden. Foto: Fett

Bad Hersfeld. Fast wäre das 25-jährige Jubiläum übersehen worden. Aber Hermann Schmalfuß aus dem thüringischen Bad Berka erinnerte sich noch genau an die ersten Chorsängertage, zu denen zur Jahreswende 1990/91 von Professor Siegfried Heinrich nach Bad Hersfeld eingeladen worden war. Nur eine Unterbrechung habe es einmal gegeben, erinnerte sich der Jubilar, nie aber habe ein großartiges Abschlusskonzert gefehlt.

In all den Jahren war es für die Organisatoren, vor allem aber für den Chorleiter immer ein Spiel mit Risiko gewesen: Wie passen die Chorsängerinnen und Sänger aus ganz Deutschland zusammen? In diesem Jahr waren 59 nach Bad Hersfeld gekommen und die Fragen waren die gleichen: Lassen sich mit ihnen die Stimmlagen annähernd gleichwertig besetzen, wie passen die Sängerinnen und Sänger von ganz jung bis ziemlich alt stimmlich und vom Ausbildungsgrad zusammen, lässt sich überhaupt ein geschlossener Chor aus ihnen bilden?

Kraftvolle Bassgrundlage

Dass es Professor Klaus-Jürgen Teutschbein auch diesmal wieder gelungen ist, mit diesen Unwägbarkeiten hervorragend umzugehen, bewiesen den Zuhörern im Johann-Sebastian-Bach-Haus schon die ersten Töne beim Abschlusskonzert der diesjährigen Chorsängertage: Auf kraftvoller Bassgrundlage erhob sich ein sehr homogenes Klanggebäude der unterschiedlichen Stimmlagen bis hin zum hellen Sopran. Anton Bruckners „Locus iste...“ wusste der Chor unter Professor Teutschbeins Leitung zu Beginn ebenso sicher zu interpretieren wie die späteren Chorsätze aus den unterschiedlichsten musikalischen Epochen.

Wunderbar zurückhaltend beispielsweise und dem Titel angemessen Johann Sebastian Bachs „O Jesulein zart“, bei dem Teutschbein die Kinderstimmen der beiden jüngsten Teilnehmer der Chorsängertage, Katharina und Sebastian Bündgen, vor den Chor stellte.

Den Chorsätzen wurden immer wieder Orgelwerke an die Seite gestellt, interpretiert von dem Frankfurter Organisten Rolf Henry Kunz. Entdeckungen auch hier: Wolfgang Amadeus. Mozarts Fantasie in d, KV 397, wirkte in ihrer bassbetonten Düsternis, die nur hin und wieder von harmonischen Läufen aufgebrochen wurde, moderner, als manch zeitgenössische Komposition.

Besonders eindrucksvoll waren die Arrangements Professor Teutschbeins zu Stücken von Gabriel Fauré: die große Orgel auf der Empore des Bach-Hauses ergänzte den geschlossenen Klang des Chores, so dass der gesamte Konzertsaal zum Klangraum wurde. Hierauf setzte Marlies Fey aus Bebra mit ihren Sopran-Soli strahlende Glanzlichter.

Angesichts der ernsten aktuellen Weltlage bat Professor Teutschbein um Verständnis, dass er mit einer liebgewordenen Tradition breche. Statt eines Chorsatzes zum Mitsingen aus dem Repertoire bekannter Weihnachtslieder wählte er Mendelsohn Bartholdys ernstes „Wirf Dein Anliegen auf den Herren“ aus. Auch dessen Interpretation gelang mit beeindruckender Homogenität. Durch einen Chor, der gerade einmal drei Tage Zeit hatte, sich zusammen zu finden und ein über einstündiges Programm einzustudieren. Lang anhaltender Schlussapplaus zeigte die Anerkennung der Zuhörer

Von Friedhelm Fett

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