Baukonzern weiht Lehrwerkstatt ein / Angebot zur Kooperation mit heimischen Betrieben

Strabag baut auf Bebra

Christoforos Manouilids, Kevin Dilling und Marcel Linet (von links) pflastern an einem soliden Weg in ihre berufliche Zukunft. Die drei jungen Männer sind Auszubildende in der Strabag Konzernlehrwerkstatt in Bebra. Fotos: Kai A. Struthoff

Bebra. Christoforos Manouilids (18), Kevin Dilling (17)und Marcel Linet (15) steht die ganze Welt offen. Denn Straßen werden überall gebraucht. Deshalb schuften die jungen Männer aus Rotenburg und Eschwege trotz sengender Hitze klaglos in der großen Werkshalle in Bebra und üben sich im Pflastern.

Die jungen Männer gehören zum ersten Ausbildungsjahrgang der neu-aufgestellten Lehrwerkstatt des Baukonzerns Strabag. Sie befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen „Kirchner-Akademie“ und soll nach der Fusion beider Firmen zur zentralen Ausbildungsstätte des europaweit größten Baukonzerns werden.

Bislang habe man bei der Strabag die Ausbildung etwas verschlafen, räumte Vorstandsmitglied Karsten Richter bei der Einweihung der Lehrwerkstatt ein. Das soll nun anders werden. Schon Ende nächsten Jahres sollen rund 100 junge Leute in Bebra gewerbliche Bauberufe erlernen. Derzeit sind es 53 Auszubildende. „Unser Fokus liegt dabei auf Azubis die bereit sind, später auch überregional tätig zu werden“, erläutert Richter.

Der Konzern verabschiede sich deshalb teilweise von der bisherigen standortnahen Ausbildung an den rund 150 Strabag-Niederlassungen in Deutschland. Mittelfristig sollen die Auszubildenden auch auf dem Gelände in Bebra wohnen können und die Berufsschulen in Bebra, Kassel aber auch Meiningen oder Weimar besuchen.

Wille zum Dialog

Richter betonte in diesem Zusammenhang auch den Willen der Strabag zum „engen Dialog“ mit der heimischen Bauwirtschaft. „Wir möchten mit ihnen sprechen und feststellen, wo wir uns gegenseitig ergänzen können“, rief Richter Kreishandwerksmeister Klaus Stöcker und dem Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Dirk Bohn zu.

Außerdem soll die Lehrwerkstatt auch für die Weiterqualifizierung von Polieren und Meistern genutzt werden. Zudem will die Strabag in Bebra auch osteuropäische Baufachleute zum Beispiel mit Sprachkursen, für den deutschen Markt qualifizieren. Richter erwartet nach dem Inkrafttreten der Arbeitnehmerfreizügigkeit in diesem Jahr „eine Welle von Reisenden nach Deutschland“.

Der Strabag-Konzern kann sich in Bebra auf eine bewährte Struktur stützen. Schon 1992 hat die Baufirma Kirchner dort ihre Lehrwerkstatt eingerichtet. Die beiden Ausbildungsleiter Firas Ajouri und Bernd Runge sind erfahrene Kirchner-Leute. Für Jürgen Hentschel, als Vertreter der Kirchner-Eigentümerfamilie, ist die Einweihung der Konzern-Lehrwerkstatt deshalb „die Bestätigung für das, was wir hier aufgebaut haben“.

Er ist davon überzeugt, dass die Fusion mit Strabag der richtige Schritt war. Allein könne ein mittelständisches Unternehmen Großprojekte, wie etwa die der Firma Kirchner in Polen, nicht mehr finanzieren.

„Es liegt noch viel Arbeit vor uns, aber der Grundstock ist gelegt“, weiß Karsten Richter. Seine jungen Auszubildenden wie Christoforos Manouilids, Kevin Dilling und Marcel Linet pflastern jedenfalls schon fleißig am Weg in die Zukunft.

Von Kai A. Struthoff

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