Stolz auf den Standardvogel

Brieftaubenzüchter präsentierten ihre Tiere in Bad Hersfeld

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Stolz auf den schönsten gefiederten Freund: Siegertaube bei der Jungtaubenausstellung von Züchtern der Einsatzstellen Bad Hersfeld und Lispenhausen war ein Prachtexemplar von Günter Licht (Zweiter von rechts). Mit ihm freuen sich der Vorsitzende der Bad Hersfelder Taubenzüchtervereinigung, Karl Falß (von links), Preisrichter Martin Henkel und der Jüngste im Bunde, Stefan Sauerwein.

Bad Hersfeld. Im schmucken Vereins- und Einsatzstellenheim der Brieftaubeneinsatzstelle 09460 an der Bleiche geht es gemütlich zu. Als die Jungtaubenausstellung beginnt, ist die Schlacht geschlagen.

Martin Henkel aus Schenklengsfeld hat sich seit 9 Uhr 72 Jungvögel angeschaut. Sie sind der Stolz von zwölf Züchtern aus Bad Hersfeld und Lispenhausen, die ihre sechs schönsten, im vergangenen Jahr ausgebrüteten und erwachsen gewordenen Tiere präsentieren. Wer glaubt, dass Henkel nach persönlichen Vorlieben urteilt, irrt. Als Preisrichter ist er an die international gültigen Standardbestimmungen gebunden.

Dabei kommt es im Käfig auf Gesamteindruck, Auge und Kopf und in der Hand auf Knochenbein, Brustbein und Becken an. Bei beiden Teilbeurteilungen kann man zwischen acht und neun Punkten „hamstern“. Darüber hinaus gibt es minimal 17 und maximal 19 Punkte für Form und Festigkeit des Rückens sowie minimal 27 und maximal 29 Punkte für Muskulatur, Harmonie und Gleichgewicht des Körperbaus beziehungsweise Flügel, Schwanz und Qualität des Gefieders.

Besonders gute und nicht ganz so gut geratene Tiere können also allenfalls acht Punkte auseinander liegen. Aber das ist reine Theorie. Meistens geht es vorne viel enger zu, so dass es nicht verwundert, dass der Punkteabstand zwischen den diesmal ganz hinten und ganz vorne liegenden, etwa ein Pfund schweren gefiederten Freunden, die mal mir nichts dir nichts 800 bis 900 Kilometer unterwegs sind, gerade mal 1,5 Punkte beträgt.

Ein Männchen von Günter Licht und ein Weibchen von Reinhold Bock sind auf 93,5 Punkte gekommen. Sie sind der „Standardvogel“ und das „Standardweibchen“ der Ausstellung – der Stolz der Züchter, von denen Reinhold Bock für die beste Gesamtleistung geehrt wird. Auf den Plätzen folgen der Vorsitzende des in diesem Jahr auf ein halbes Jahrhundert Vereinsleben zurückblickenden Züchterzusammenschlusses, Karl Falß, und Günther Licht.

Neben ihrer Ringnummer bekommen die Tiere in der Regel keinen Namen. Aber Halt: „Ich habe eine, die heißt Tiger Woods!“, ruft Stefan Sauerwein in die lachende Runde, die so etwas wie der harte Kern des Vereins ist. Da jede dritte Taube einen Preis erhält, muss sich keiner grämen. Die am Vorabend in die Käfige gesetzten Tiere lässt das Drumherum kalt. Sie lassen sich bereitwillig in die Hand nehmen und von Kaufinteressenten bewundern. Denn die in weitem Umkreis zur Kenntnis genommene Schau, ist auch eine Verkaufsveranstaltung, bei der Züchter aus ganz Deutschland Tiere anbieten. Per Aushang. Denn bei Brieftaubenzüchtern kann man sich auf zugesicherte Eigenschaften verlassen. Karl Falß, der seit 58 Jahren ein Herz für Tauben hat, betont: „Halbe Sachen gibt’s bei uns nicht!“

Von Wilfried Apel

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