15 Gedenksteine werden am Montag, 6. September, in Bad Hersfeld gesetzt

Stolpern zum Nachdenken

Rosa Hahn kam mit ihrer Famiie 1896 aus Niederaula nach Bad Hersfeld. 1941 wurde sie von Frankfurt aus in das Ghetto Lodz verschleppt. Sie überlebte den Holocaust nicht.

Bad Hersfeld. Sie sind klein, gerade mal zehn mal zehn Zentimeter groß. Und sie leuchten golden im Pflaster. Stolpersteine sind keine wirklichen Hindernisse im Gehweg, sondern sollen Herz und Verstand stolpern lassen, zum Innehalten und Nachdenken anregen.

Die Aktion Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig erinnert inzwischen in etwa 530 Städten und Gemeinden in Deutschland, den Niederlanden, Polen, Österreich, Tschechien, der Ukraine und Ungarn an das Schicksal der Menschen, die von den Nationalsozialisten ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Freitod getrieben wurden.

Auftakt in der Klausstraße

Jetzt soll auch Bad Hersfeld solche Stolpersteine erhalten. Am Montag, 6. September, werden ab 12 Uhr die ersten 15 Steine gesetzt. Auftakt ist vor dem Haus Klausstraße 18, weitere Steine werden in der Breitenstraße vor den Häusern Nummer 3 und 33, in der Dudenstraße vor den Häusern Nummer 16 und 22 sowie vor dem Haus August-Gottliebstraße 12 von Gunter Demnig gesetzt.

Die Verlegung der Stolpersteine wird von Schülerinnen und Schülern der Konrad-Duden-Schule mit szenisch aufbereiteten Texten, die zum Teil aus Briefen der ermordeten Juden oder ihrer Angehörigen stammen und mit musikalischen Beiträgen von Helgo Hahn gestaltet.

Die Anregung, sich mit der Aktion Stolperstein in Erinnerung die Hersfelder Holocaust-Opfer auseinanderzusetzen entstand auf der Jahreshauptversammlung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Hersfeld-Rotenburg vor einem Jahr, berichtet deren Vorsitzender Werner Schnitzlein. Es fand sich auch schnell eine Reihe von Spendern, die mit jeweils 95 Euro dazu beitragen wollten, dass die Namen der Hersfelder Juden nicht in Vergessenheit geraten.

In der Breitenstraße 22 hatte von 1872 bis 1938 die Familie Wertheim ihr Lederwarengeschäft

Es soll, so kündigt Dr. Heinrich Nuhn an, der die Aktion begleitet und mit zahlreichen Informationen unterstützt, auch nicht bei 15 Stolpersteinen bleiben. Einige Spenden liegen schon vor, weitere Unterstützer sind jederzeit willkommen. „Es soll,“ so hofft Nuhn, „eine Art Bürgerbewegung werden. Die Bürger stiften ihrer Stadt ein Kleindenkmal.“ Dabei soll die Aktion nicht nur auf jüdische Opfer des Holocaust beschränkt bleiben, macht Nuhn deutlich. Sehr erfreut war Nuhn darüber, dass die Aktion Stolpersteine bei den heutigen Hauseigentümern gut aufgenommen wurde. Das ist nicht überall so, weiß er. Der Hausherr der August-Gottlieb-Straße 12 habe sogar großen Wert darauf gelegt, dass bei der Renovierung seines Hauses die Spuren eines Balkons, den die Familie Levi zur Feier des Laubhüttenfestes hatte anbauen lassen, sichtbar blieben.

www.stolpersteine.hersfeld.hassia-judaica.de

Von Christine Zacharias und Uwe Hohmann

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