19-Jähriger wird zu Bewährungsstrafe und gemeinnütziger Arbeit verurteilt

Stinkefinger gegen Polizisten

Bad Hersfeld. Das Jugendschöffengericht Bad Hersfeld hat einen 19-Jährigen aus Ludwigsau zu acht Monaten Jugendstrafe auf Bewährung und gemeinnützige Arbeit verurteilt. Er war wegen einer ganzen Latte von Vergehen angeklagt: Unfallflucht, Fahren ohne Fahrerlaubnis und Beamtenbeleidigung.

Der Praktikant soll am 22. August 2009 vor dem Dorfgemeinschaftshaus in Heenes mit seinem Auto einen geparkten Wagen beschädigt haben. Nach der Aussage eines Kfz-Sachverständigen war das Gericht überzeugt, dass der 19-Jährige den Schaden verursacht hat. Auf Nachfrage des Verteidigers Norbert Bätz räumte der Sachverständige aber ein, dass der Angeklagte den Zusammenstoß nicht unbedingt bemerkt haben muss. Staatsanwalt Dominik Dute reduzierte darauf den Vorwurf von Vorsatz auf Fahrlässigkeit.

Am Abend des 5. Februar 2010 hat die Polizei den Angeklagten beim Fahren ohne Fahrerlaubnis erwischt. Er habe gedacht, das Fahrverbot gegen ihn sei bereits abgelaufen, sagte er. Tatsächlich saß er aber dreieinhalb Stunden zu früh wieder am Steuer.

Sechs Wochen später hat der 19-Jährige auf der Polizeistation in der Kleinen Industriestraße zwei Beamte beleidigt. Er wollte sich beschweren. Als ihm das nicht gelang, zeigte er den Mittelfinger. „Ich war aufgebracht und habe überreagiert“, sagte der Angeklagte und entschuldigte sich bei einem Beamten.

Strafe wegen Drogenhandels

Bei Gericht ist der 19-Jährige kein Unbekannter. Gegen ihn wurde bereits wegen Diebstahls und Körperverletzung ermittelt. Wegen Drogenbesitzes und -handels hat ihn das Amtsgericht im Oktober 2009 zu sechs Monaten Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt. Die Bewährungsauflagen – unter anderem 100 Stunden gemeinnützige Arbeit und der Besuch einer Drogentherapie – hat er nur teilweise erfüllt.

Bewährungshelferin Carola Kasmierczak und Bernd Ziegler von der Jugendgerichtshilfe erteilten dem Angeklagten keine günstige Sozialprognose. Trotzdem befürworteten sie, dass der 19-Jährige noch einmal nach dem Jugendstrafrecht verurteilt wird.

Dem schloss sich das Gericht an. „Wir haben Bedenken, aber wir wollen Ihnen die Chancen nicht verbauen“, sagte Richter Dr. Rolf Schwarz. Der Angeklagte hat gerade ein Praktikum begonnen und Aussicht auf eine Ausbildung.

Nun muss er binnen vier Monaten 120 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten. Außerdem erhöhte das Gericht seine Bewährungsstrafe auf acht Monate und ging damit noch über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus.

Von Marcus Janz

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