Colin Hay beeindruckt im Buchcafé als begnadeter Musiker und skurriler Entertainer

Die Stimme über allem

Intensive Stimme, virtuoses Gitarrenspiel: Colin Hay bei seinem Auftritt am Pfingstsonntag im Bad Hersfelder Buchcafé. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Er ist älter geworden und ruhiger. Doch seine Stimme hat nichts von ihrer Intensität verloren, und sein Gitarrenspiel ist mit den Jahren wohl noch virtuoser geworden: Colin Hay (59), ehemaliger Sänger der weltbekannten Band „Men at work“ und seitdem auf Solo-Pfaden unterwegs, erweist sich auch bei seinem mittlerweile vierten Gastspiel im Bad Hersfelder Buchcafé als begnadeter Musiker und kauziger Entertainer.

Der gebürtige Schotte, der in Australien aufwuchs, dort berühmt wurde und mittlerweile in Kalifornien zuhause ist, nahm das Publikum mit auf eine Weltreise in Liedern, in denen sich Hays bewegtes Leben widerspiegelt.

„Wayfaring Sons“ erzählt vom Auswandern, „Down under“ wirft einen ironischen Blick auf die neue Heimat. „Beautiful world“ rückt die kleinen Freuden des Lebens in den Fokus, und in einigen Songs vom aktuellen Album „Gathering Mercury“ hat Hay den Tod seines Vaters thematisiert.

Seiner Wirkung bewusst

Die Zuhörer im schon seit Monaten restlos ausverkauften Buchcafé erleben einen Künstler, der sich seines Könnens und seiner Wirkung gewiss ist. Hay wandert souverän und unaufgeregt durch sein musikalisches Lebenswerk, die Hits von damals („Overkill“, „Who can it be now“) fügen sich nahtlos mit neueren Liedern zusammen („Waiting for my real life to begin“, „Going somewhere“).

Und über allem steht diese Stimme, die zu den wenigen gehört, die man immer wiedererkennt – auch wenn einem vielleicht der Name des Interpreten entfallen ist. Auch diese Qualität macht jedes Hay-Konzert zu etwas ganz Besonderem.

Colin Hay pflegt bei seinen Auftritten einen skurrilen Humor. Immer wieder erzählt er Geschichten, die auf staubtrockene Pointen zusteuern – wie etwa die, als Paul McCartney bei ihm das Geschirr abwusch, oder die vom Lions-Club in Sydney, der die Gage ordentlich erhöhen musste, um Hay zu einem Schlussauftritt zu den Klängen des Kool & the Gang-Songs „Celebration“ zu bewegen.

Running Gag des von der Hersfelder Zeitung präsentierten Konzerts im Buchcafé sind Hays Versuche, mit deutschen Redewendungen zu glänzen, die ihm sein Smartphone übersetzt hat. Für „Ich mag dich!“, „Küss mich!“ und dergleichen mehr gibt es immer wieder wohlwollenden Applaus.

Typisch Colin Hay

Auch der Abgang ist typisch Colin Hay: Nach knapp zwei Stunden bedankt er und verabschiedet er sich, schnappt sich sein Jackett und verschwindet hinter der Bühne. Die Hersfelder klatschen rhythmisch, denn aus den Boxen dröhnt nun „Celebration“. Doch das war’s dann auch, denn Colin Hay kehrt nur wieder, um Autogramme zu geben und CDs zu signieren.

Von Karl Schönholtz

Kommentare