Das Münchener Jazz-Duo „Le Bang Bang“ begeisterte das Publikum im Buchcafé

Mit Stimme und ganz viel Bass

Nicht nur eigene Stücke präsentierte das Jazz-Duo „Le Bang Bang“ im Bad Hersfelder Buchcafé. Auch Coverversionen bekannter Stücke gehörten zum Repertoire der Münchener. Foto: Rödiger

Bad Hersfeld. Das Münchner Jazz-Duo „Le Bang Bang“ kommt ziemlich unkonventionell daher. Nur eine Gesangsstimme und ein Kontrabass. Kann man damit überzeugend auftreten? Man kann.

Sängerin Stefanie Boltz und Bassist Sven Faller haben definitiv das gewisse Etwas. Ihr Auftritt im Bad Hersfelder Buchcafé hat viele anfangs etwas skeptische Jazzfans voll und ganz überzeugt. Die Liveversionen der meist englischsprachigen Songs ihrer aktuellen CD „Headbang“ sind nicht nur ausgefeilt und voller raffinierter Momente, hier haben sich auch zwei musikalische Seelenverwandte gefunden, die sich auf der Bühne bestens ergänzen.

Vielseitige Spieltechnik

Kontrabassist Sven Faller nutzt viel Technik. Vor sich auf dem Bühnenboden hat er eine Reihe von Effektgeräten mit denen er Hall, Echo und weitere E-Gitarreneffekte zu seinem Instrumentensound hinzufügen kann. Auch ein Endlosschleifen wiederholendes Gerät, Looper genannt, kommt bei vielen Stücken zum Einsatz. Mit all diesen technischen Helferlein und seiner sehr vielseitigen Spieltechnik begleitet er seine Bühnenpartnerin souverän und kreiert dabei einen vollen, angenehmen Sound, der tatsächlich nichts weiter braucht, um zu gefallen.

Stefanie Boltz’ feminine, ausdrucksstarke Gesangsstimme hat viele klangliche Facetten und sie nutzt sie alle mit einer geradezu hinreißenden Virtuosität. Sie springt treffsicher über mehrere Oktaven, klingt mal melancholisch und verletzlich, dann wieder kraftvoll und verspielt. Mit leicht theatralischer Körpersprache improvisiert sie sehr melodiöse Scatgesangspassagen und packt bei Liedern wie „I want to see her dead“, einer Jazzballade, die von Eifersucht zwischen zwei Frauen erzählt, sehr überzeugende Emotionen in ihre Gesangsmelodien.

Viele gute eigene Songs zu schreiben ist ein langwieriger Prozess, und so wundert es nicht, dass auch „Le Bang Bang“ gerne auf gutes Songmaterial von anderen Künstlern zurückgreift. Ohne Berührungsängste schaut das bayrische Künstlerduo über den eigenen Jazz-Tellerrand hinaus und covert Stücke, die man von einer Jazzcombo bisher wohl eher selten zu hören bekam.

„Owner of a lonely heart“ von Yes, „Wake me up before you gogo“ von Wham und „Junimond“ von Rio Reiser erklingen in den Coverversionen von „Le Bang Bang“ wie etwas völlig Neues. Selbst die Refrains erkennt man an vielen Stellen eher am Text, als an der veränderten Melodie.

Das Bad Hersfelder Publikum genoss die Musik von „Le Bang Bang“ und zollte dem virtuosen Duo aus München Respekt durch langanhaltenden lauten Applaus. (rö)

Von Werner Rödiger

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