Landrat besucht Bedürftige und Menschen, die zu Weihnachten arbeiten müssen

Stille Helden der Feiertage

Eine festliche Tafel bei der „Tafel“: Wie in jedem Jahr zu Weihnachten spendiert der Landgasthof Hess ein guten Festtagsmenü für Menschen, die selbst nicht so viel haben. Die Freude darüber ist den Gästen anzusehen. Fotos: Struthoff

Bad Hersfeld. Weihnachten ist das Fest der Familien. Doch die feierliche Besinnlichkeit im Kreis der Lieben können wir nur genießen, weil andere für uns in Heiliger Nacht auf der Wacht sind. Diese stillen Helden der Feiertage besucht Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt traditionell am Heiligabend, dankt ihnen für ihren Einsatz und überreicht kleine Präsente.

Zum Beispiel die Polizeiwache in Bad Hersfeld: Hier passt Polizeihauptkommissar Ralf Lampersbach auf, dass die stille Nacht auch still bleibt. „Ich bin berufsbedingt daran gewöhnt, auch an Feiertagen Dienst zu machen“, sagt er. Mit acht Beamten pro Schicht ist die Polizei über die Feiertage besetzt. Und gerade zu Weihnachten müssen sie oft ausrücken, um vor allem Fälle von häuslicher Gewalt zu schlichten. „Aber wir hoffen natürlich jedes Jahr auf Frieden unter dem Weihnachtsbaum“, sagt Lampersbach.

Auch im Klinikum wird gearbeitet. „Wir haben meist viel zu tun, besonders mit Bauchbeschwerden“, erzählt OP-Pflegerin Andrea Vollmer. Viele Patienten gingen trotz Schmerzen lange nicht zum Arzt, weil sie das Weihnachtsfest daheim mit ihren Lieben feiern wollen. Wenn es dann gar nicht mehr geht, landen sie bei Andrea Vollmer und ihren Kollegen in der OP-Bereitschaft. Trotzdem hoffen sie auf ein paar ruhige Stunden und ein gemütliches Abendessen im Kollegenkreis. Für Assistenzarzt Esmail Abdullah ist es ohnehin ein besonderes Fest. Er kommt aus Syrien und steht in bangem Kontakt mit seinen Angehörigen in dem kriegsgebeutelten Land. „In unserem Ort daheim ist es noch ruhig, nur die Versorgungslage wird immer schlechter“, erzählt er.

Gut besuchte „Tafel“

Doch nicht nur in Kriegsgebieten gibt es Menschen, die Weihnachten nicht genug zu essen haben. Auch hierzulande freuen sich viele, über ein kostenloses Weihnachtsessen, wie es der Landgasthof Hess aus Neuenstein seit vielen Jahren an die Gäste der „Tafel“ in Bad Hersfeld liefert. „Für Karsten Hess ist es die größte Weihnachtsfreude, Bedürftigen ein schönes Mahl zu servieren“, verrät Dekan Ulrich Brill. 43 Gäste haben sich in diesem Jahr zum Weihnachtsschmaus angemeldet. Hess serviert ihnen Suppe mit Eierstich, knusprigen Krustenbraten und Pudding mit Kirschen. Die Augen der Menschen, die an der langen Tafel Platz genommen haben, leuchten vor Freude.

„Die Armut nimmt auch bei uns zu“, sagt Silvia Hämel, die Leiterin der Bahnhofsmission, „es kommen immer mehr Menschen.“ Das weiß auch Landrat Schmidt und dankt für das Engagement der Ehrenamtlichen. „Es ist nicht selbstverständlich, dass Sie in dieser Runde zusammenkommen“, sagt er. Auch sie sind stille Helden der Heiligen Nacht.

Von Kai A. Struthoff

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