Bürgermeisterkandidat Martin Gröll schlägt Kulturstiftung für die Festspielstadt vor

Stiften und Steuern sparen

Damit in der Stiftsruine nicht die Lichter ausgehen, schlägt der unabhängige Bürgermeisterkandidat Martin Gröll (kleines Bild) die Gründung einer Kulturstiftung vor, die mittelfristig zur finanziellen Unterstützung der Festspiele beitragen könnte.

Bad Hersfeld. Die Idee ist nicht neu. In anderen Städten funktioniert sie sogar prima. Nur in Bad Hersfeld konnte sich bislang keine Kulturstiftung zur Förderung der Festspiele, der Oper und anderer kultureller Unternehmungen etablieren. Nach dem Willen des unabhängigen Bürgermeisterkandidaten Martin Gröll könnte sich das bald ändern.

„Ich produziere keine Worthülsen, sondern mache konkrete Vorschläge“, sagte Gröll gestern zum Thema Kulturstiftung. Sie solle „ein Baustein“ sein, der die finanziellen Herausforderungen der Festspiele angesichts klammer kommunaler Kassen bewältigen helfen soll.

Attraktiv für Sponsoren

Gröll denkt an eine so genannte „unselbstständige Stiftung“, die der Stadt und anderen Stiftern – sprich Spendern und Sponsoren – steuerliche Vorteile garantiert. Schon jetzt unterstütze die Stadt über die Stadtwerke mit ihren Gewinnen die Festspiele, ohne dafür steuerliche Vorteile zu genießen, erklärt Gröll. Hinzu komme der positive und werbewirksame Charakter, den eine Stiftung habe. Viele Leute würden lieber einer Stiftung als der Stadt Geld zur Verfügung stellen, glaubt Gröll. Die Stiftung solle zudem ein Kuratorium, also eine Art Beirat, bekommen, in dem die Stadt selbst aber auch wichtige Unterstützer vertreten sind. Auch der „Verein der Freunde der Stiftsruine“ oder die Opern-Freunde könnten dort repräsentiert sein.

Gröll träumt zudem von etwas mehr Glamour für die Festspielstadt, die unter anderem durch einen prominenten Kurator, „eine Person des öffentlichen Lebens oder einen Blaublütigen“ kommen könnte.

„Es geht darum, Geld mit den Festspielen zu verdienen, oder wenigstens die Verluste gering zu halten“, stellt Gröll klar. „Es hapert noch an der Außenwirkung, wir sprechen nicht mit einer Stimme“. Deshalb will Gröll auch das Marketing für die Festspiele intensivieren. Bislang würde nur ein Bruchteil des Etats darauf verwendet. Gröll schlägt vor, im Mai nach Vorbild des Wiener Opernballs einen Festspiel- oder Stiftungsball mit Prominenten Gästen zu etablieren. Daneben setzt er beispielsweise auf Publikumsbefragungen. „Im Moment wissen wir viel zu wenig über unsere Gäste, warum sie kommen oder woher“.

Seine Ideen hat Gröll bereits mit Festspiel-Intendant Holk Freytag erörtert, der ihnen positiv gegenübersteht. Freytag habe allerdings auf die künstlerische Unabhängigkeit der Festspiele gepocht, die Gröll garantieren will. „Eine Stiftung soll ja nicht die Festspiele organisieren“, stellt der unabhängige Bürgermeisterkandidat klar.

Ihm ist bewusst, dass eine Stiftung zunächst klein anfangen muss, um dann mit der Zeit Geld und Zinsen anzusparen. Und das kann dauern: Um ein Defizit von einer Million Euro ausgleichen zu können, müsste nach heutiger Verzinsung die Einlage 25 Millionen Euro betragen, rechnet er vor.

Eine womöglich noch größere Hürde könnten politische Befindlichkeiten in der Stadt sein, an denen schon 1991 ähnliche Pläne des damaligen 1. Stadtrats Michael Bock scheiterten.

Trotzdem sagt Gröll: „Ich bin überzeugt, dass es funktioniert. BeRicht rechts

Von Kai A. Struthoff

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