Die Komödie „Ladies Night“ amüsierte nicht nur die Damen in der Stadthalle

Stiere in Unterhosen

Runter mit den Klamotten: Um an Geld zu kommen, wollen die Männer im Stück „Ladies Night – Ganz oder gar nicht“ strippen, doch schnell wird klar, dass das gar nicht so einfach ist. Den Schlussapplaus hatten sich die Darsteller schließlich redlich verdient (kleines Bild). Fotos: Maaz

Bad Hersfeld. Es braucht keine Waschbrettbäuche und keine Knackpopos: Humor und Mut sind offenbar ebenso sexy. Mit lautem Applaus hat am Dienstagabend nicht nur das weibliche Publikum in der gut gefüllten Bad Hersfelder Stadthalle die Strip-Einlagen der Komödie „Ladies Night – Ganz oder gar nicht“ bedacht. Einfach nur herrlich waren die gespielt tollpatschigen, aber eben sehr authentischen Versuche des professionellen Entkleidens.

„Ganz oder gar nicht“

Die Komödie von Stephen Sinclair und Anthony McCarten (Deutsch von Annette und Knut Lehmann) als Produktion der Komödie im Bayerischen Hof München in Zusammenarbeit mit dem Fritz-Rémond-Theater Frankfurt (Regie: Folke Braband) wurde im Rahmen des städtischen Abo-Theaters aufgeführt und basiert auf dem britischen Film „Ganz oder gar nicht“, dessen englischer Titel „The Full Monty“ lautet, also: Die volle Montur.

Arbeitslosigkeit, Schulden, Ärger mit der Ex, Frustration: In einer englischen Industriestadt beschließen die Freunde Craig, Barry und Norman, eine Stripteasegruppe zu gründen, um an Geld zu kommen. Frei nach dem Motto: „Was die Chippendales können, können wir schon lange“. Es gibt nur zwei „Problemchen“: drei Tänzer sind zu wenig und eine Choreografie muss her. Mit Hilfe einer Zeitungsannonce werden als Mittänzer Gavin und Wesley engagiert, auch der Name steht schnell fest: Als „Die wilden Stiere“ wollen die Möchtergern-Stripper die Damen „nass machen“.

Ganz so einfach ist das mit dem Strippen dann aber doch nicht – angefangen bei fehlendem Taktgefühl über die persönlichen Probleme bis hin zur Angst, sich zu blamieren. Unerwartete Hilfe bekommen die Herren schließlich von Trinker Grahame, der früher einmal Tanzlehrer gewesen sein will. Der große Auftritt rückt immer näher und damit auch die Entscheidung: Ganz oder gar nicht?

Sensible Momente

Dank ernster und sensibler Momente gleitet das Stück trotz nackter Haut und zotiger Sprüche nicht ins Niveaulose ab. Größten Anteil hat daran außerdem die schauspielerische Leistung der Darsteller Pascal Breuer, Sebastian Goder, Torsten Münchow, Rudolf Otahal, Eduard Burza, Dominik Meurer und Martin Böhnlein, die die unterschiedlichen Charaktere charmant und überzeugend verkörpern.

Die BHs, die am Ende auf die Bühne geworfen wurden, gehörten wohl zur Inszenierung, trotzdem war eines offensichtlich: das Publikum hat sich köstlich amüsiert. Kultur darf auch mal lustig sein.

Von Nadine Maaz

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