Immer neue Eiweißmixturen: Wespen und Hornissen bauen Abwehrmechanismen aus

Stiche gehen durch

Hersfeld-rotenburg. „So viele Wespen hatten wir lange nicht mehr“, bestätigtet der Biologe Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des Nabu Hessen. Grund dafür sei das warme Frühjahr, in dem sich die Wespenstaaten optimal hätten entwickeln können. „Wenn es im Frühjahr noch Frost gibt, sterben viele Königinnen, und etliche Völker entstehen erst gar nicht“, sagt Eppler.

Das Problem ist aber nicht die Zahl der Tiere, es sind vielmehr die Keime, die die Aasfresser übertragen können. Eine Gefahr seien die Tiere vor allem, weil sie durch einen Stich oder auch den Kontakt mit Lebensmitteln Krankheitserreger übertragen können. Bekanntlich sind Hornissen in erster Linie Fleischfresser, die auf ihrem Speiseplan auch die schwächeren Wespen haben. „Wenn die Wespe zuvor auf einem Gully-Deckel war, weil die Tiere ja auch Flüssigkeit brauchen, wäscht die sich ja nicht die Hände, bevor sie auf den Obstboden, auf dem Balkon oder den Bienenstich-Kuchen in der Bäckerei fliegt“, sagt Michael Landow aus Bad Hersfeld.

Ein Großteil der Nester ist gar nicht sofort erkennbar. Sie sind oft in Rolllädenkästen oder der Erde versteckt. Oft kommt es auch vor, dass sich Wespen durch Rigipsdecken fressen und so ins Haus gelangen. Wer ein Nest auf seinem Grundstück hat, muss eine Firma mit der Entfernung beauftragen. Die Feuerwehr erledigt solche Aufgaben nur an sensiblen Orten wie etwa Kindergärten, Kliniken, Altenheimen oder Schulen. Dabei können die Ehrenamtlichen aber nur Nester entfernen und einsacken. Der Umgang mit Insektiziden ist den Helfern verwehrt. Dafür braucht man eine spezielle Ausbildung. Die Insektenbekämpfer berechnen ihre Einsätze nach Zeit und Aufwand. Deswegen will sich Schädlingsbekämpfer Landow nicht auf Preise festlegen.

Marco Landow bestätigt, dass die Wespen und Hornissen zunehmend gefährlicher werden. Selbst durch Schutzanzüge stechen sie mittlerweile hindurch. Zudem perfektionieren die Insekten in jedem Zyklus die Wirksamkeit ihres Giftes, das auf tierischem Eiweiß basiert. Entsprechend steigt das Risiko von allergischen Reaktionen.

Flaschen zu oder Deckel auf den Obstsalat, das ist die einfache Regel, die Dr. Jörg Reinhard Blaschke vom Amt für Naturschutz und Landschaftspflege heraus gibt. Nur so lässt sich die Gefahr minimieren, dass Wespen verschluckt werden und im Hals und Rachenraum akute Erstickungsgefahr hervorrufen. Im Gegensatz zu Dr. Blaschke sehen die Hersfelder Schädlingsbekämpfer noch keinen Grund für eine Entwarnung. Selbst zu Lolls sei es noch heiß in der Stadt.

Eroberten Hornissen oder Wespen moderne Heizungssysteme in Häusern, beispielsweise in Fußbodenheizungen, hielten sie bis Dezember aus. (kh/red)

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