Nordhessen haben 2013 schon vier Millionen Euro nachgezahlt

Steuerbetrug: 123 haben sich selbst angezeigt

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Kassel. Nicht nur Fußballmanager Uli Hoeneß hat Steuern hinterzogen und sich wegen eines Kontos in der Schweiz selbst angezeigt. Auch die Zahl der Steuersünder in Nordhessen, die plötzlich reinen Tisch machen wollen, hat in diesem Jahr wieder merklich zugenommen: 123 Selbstanzeigen sind bis zum 22. April bereits beim Finanzamt Kassel II - Hofgeismar eingegangen.

Das Finanzamt ist im Bereich der Steuerstraftaten für die Finanzämter Eschwege-Witzenhausen, Fulda, Hersfeld-Rotenburg, Kassel I, Korbach-Frankenberg, Schwalm-Eder und für die Stadt und den Landkreis Kassel zuständig. Laut Karsten Pflock, Sprecher der Oberfinanzdirektion Frankfurt, sind durch diese Anzeigen bereits Einnahmen von 4,3 Mio. Euro vorläufig eingefordert worden. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr gab es im Bereich des nordhessischen Finanzamtes insgesamt 136 Selbstanzeigen.

Auch in ganz Hessen hat die Anzahl der Selbstanzeigen in diesem Jahr im Vergleich zu 2011 deutlich zugenommen. Allein bis zum 22. April zeigten sich 399 Steuersünder selbst an; 2011 waren es insgesamt 492 Anzeigen. Allerdings ließen im Jahr 2010 nach dem Ankauf einer Daten-CD noch deutlich mehr Hessen vor dem Fiskus die Hosen runter. Damals wurden 3467 Selbstanzeigen in Hessen registriert. „Allgemein lässt sich feststellen, dass ein Ankauf von Datenträgern regelmäßig zu einem Anstieg von Selbstanzeigen führt“, sagt Pflock.

Bei Eingang einer Selbstanzeige prüfe die Staatsanwaltschaft, ob diese strafbefreiend sein könne, sagt Dr. Götz Wied, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel. Ausschlussgründe für eine Strafbefreiung lägen zum Beispiel vor, wenn die Steuerstraftat bereits entdeckt war und der Täter das gewusst habe. In solch einem Fall sei es nicht vorgesehen, dass man sich durch eine Selbstanzeige aus der strafrechtlichen Verantwortung ziehen könne. ZUM TAGE

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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