Seit 1911 kämpfen die Bad Hersfelder Stenografen um Silben und Anschläge

Stets auf der Höhe der Zeit

Nach Überreichung der Auszeichnungen zum 100-jährigen Bestehen des Stenografenvereins: (v. l.) Unterrichtsleiterin Karla Setzkorn, Bezirksvorsitzender Horst Diehl, stellvertretende Vorsitzende Ute Schwab, Kassenführerin Waltraud Richter, Bundesvorsitzende Hannelore Schindelasch, Schriftführerin Helga Wolff, Vorsitzende Renate Nöding, Stadtrat Hans-Georg Vierheller, Claudia Goßmann, Landesvorsitzender Stephan Senzig, Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt und Knut Baumgardt von der Sparkasse. Fotos: Apel

Bad Hersfeld. Diesmal gedachten die Stenografen allerdings in froher Runde im „Alten Brauhaus“ der Gründung ihres Vereins vor nunmehr einhundert Jahren. Allen voran Renate Nöding, die gute Seele und Vorsitzende der Bad Hersfelder Schnellschreiber, und die Präsidentin des Deutschen Stenografenbundes, Hannelore Schindelasch.

Die Oldenburgerin ließ Ereignisse aus dem Gründungsjahr Revue passieren und erinnerte daran, dass auch der Weltfrauentag vor genau 100 Jahren aus der Taufe gehoben worden sei – zu einem Zeitpunkt, als Frauen in Deutschland noch keinerlei Wahlrecht hatten. Erst nach 1918 habe sich das geändert, und auch bei den bis dahin von Männern dominierten Stenografenvereinen seien nach und nach Frauen aufgenommen worden. Schindelasch würdigte die großen Verdienste von Renate Nöding, die dem Bad Hersfelder Verein seit 1954 angehört. Dafür, dass sie ihn seit 33 Jahren führt, wurde sie von der Bundesvorsitzenden mit einer Ehrenurkunde des Dachverbandes ausgezeichnet.

Auch Stephan Senzig, der Vorsitzende des Hessischen Stenografenbundes, und Bezirkschef Horst Diehl lobten ihre Arbeit, aber auch die des Vereins, von dem in den zurückliegenden Jahren zahlreiche Meisterschaften und 2008 sogar das Bundespokalschreiben ausgerichtet wurden.

„Sie verbinden Altbewährtes mit Modernem und pflegen Gemeinschaft. Das zeigt, dass der Stenografenverein lebt und eine gute Perspektive hat!“, betonte Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt in seinem Grußwort. Er „outete“ sich als gelernter Stenograf, der es in seiner Schulzeit auf immerhin 160 Silben gebracht habe und der später mit seinen Sekretärinnen um die Wette geschrieben habe.

Stadtrat Hans-Georg Vierheller, der die Glückwünsche der Kreisstadt überbrachte, konnte da nicht mithalten. Er bekannte sogar, dass er nach dem „Zwei-Finger-Suchsystem“ schreibe.

Gemütliche Runde

Ehe das Jubiläum in gemütlicher Runde ausklang, ließen Ute Schwab und Klara Setzkorn alle Gäste auf unterhaltsame Weise an 100 Jahren Vereinsgeschichte teilhaben. Sie erinnerten an großartige Erfolge bei Bundes- und Landesmeisterschaften, aber auch an Ausflüge, die die Mitglieder bis in den Schwarzwald führten. „Der Verein war immer am Puls der Zeit, und er ist es auch heute noch, wo sein Hauptbetätigungsfeld der Unterricht an Grundschulen ist“, erklärten die beiden Protagonistinnen.

Bezirksmeisterschaften

Schnelligkeit und Präzision auf Stenografieblock und am Computer waren auch bei den vom Jubiläumsverein ausgerichteten Nordhessenmeisterschaften angesagt.

140 Arbeiten wurden in der Modellschule Obersberg angefertigt, 65 allein von Mitgliedern des Ortsvereins. In der Erwachsenenklasse belegte Michael Psujka beim 10-Finger-Tastaturschreiben am Computer mit 409 Anschlägen pro Minute den 5. Platz. Bei der Jugend kam Katharina Hieke auf den 10. Platz.

Die besten Platzierungen bei der Textbearbeitung am Computer schafften Nunja Christ (5.) und Nadine Heiden (10.). Die Titel gingen allesamt an Mitglieder des Steno- und Maschinenschreibvereins Neukirchen (Knüll).

Von Wilfried Apel

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