Meisterkonzert mit Kreuzorganist Holger Gehring löste Begeisterung aus

Sternstunde an der Orgel

Wieder daheim: Der ehemalige Kantor der Stadtkirche, Holger Gehring, spielte auf der großen Orgel. Foto: Janssen

Bad Hersfeld. „Die Orgel ist hervorragend.“ Diese Botschaft hinterließ der Dresdener Kreuzorganist Holger Gehring auf einem Zettel an der neuen großen Orgel in der Stadtkirche, die er in einem Meisterkonzert zum Klingen gebracht hatte.

Für ihn war es eine Rückkehr in bekannte Gefilde: Von 2000 bis 2004 war Gehring Kantor an der Stadtkirche und als solcher derjenige, der den ersten und entscheidenden Anstoß zur Erneuerung der Orgel gegeben hatte.

Dass Gehring immer noch einen ausgezeichneten Namen in der Region und viele persönliche Kontakte an seinem alten Wirkungsort hat, zeigte sich nicht zuletzt am großen Publikumsinteresse.

In einem Gespräch am Rande des Konzertes lobte Gehring vor allem die klanglichen Möglichkeiten. Durch ihre so genannte „mitteldeutsche“ Konzeption sei die von der Bautzener Firma Eule erbaute Orgel hervorragend sowohl für die großen Werke der Meister des Barock wie auch für die der deutschen oder französischen Romantik geeignet. Faszinierend sei auch, wie gut das Instrument an die räumlichen Gegebenheiten in der Stadtkirche angepasst sei.

Als sehr gelungen bezeichnete Gehring die Gestaltung des Prospekts, der in seinen wesentlichen Bestandteilen erhalten geblieben war, der aber durch die kleinen Veränderungen in seinen Proportionen eher gewonnen habe.

Lotete Möglichkeiten aus

Die von ihm gelobten klanglichen Möglichkeiten lotete Gehring in seinem Konzert, bei dem Werke von Johann Sebastian Bach und Franz Liszt auf dem Programm standen, voll aus. Mit effektvollem und kreativem Einsatz der zur Verfügung stehenden Klangmöglichkeiten schuf er eine Atmosphäre gespannten Zuhörens, in der die gespielten Werke eine eindringliche Plastizität gewannen. Das galt sowohl für die sehr durchsichtig gespielten Bach-Werke wie für den kontrastreich gestalteten Liszt.

Erstaunlich war dabei schon allein die Demonstration dessen, was allein das Schwellwerk an Variationsbreite und Gestaltungsmöglichkeit bietet. Von zart und filigran bis zu machtvoll und expressiv mit ausgesprochen organisch wirkenden Übergängen reichte die Interpretationsskala des Kreuzorganisten.

Ovationen

Mit stehenden Ovationen revanchierten sich die Zuhörer in der Stadtkirche für eine echte Sternstunde der Freunde großer Orgelmusik, die die Bezeichnung „Meisterkonzert“ mehr als verdient hatte.

Von Ute Janssen

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