Hansi lebte fünf Jahre auf der Straße – In Bad Hersfeld blieb er schließlich „hängen“

Der Stempel bleibt

Hansi gibt es nur im Doppelpack mit Hündin Quietschi. Fünf Jahre habe er auf der Straße gelebt, bevor er in Bad Hersfeld strandete und hier die Beratungsstelle für Wohnungslose an der Löhrgasse aufsuchte. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Wenn Hansi über seine Vergangenheit spricht, tut er dies freimütig und mit einem Lächeln auf den Lippen. Fünf Jahre lang hat Hansi, der eigentlich aus Oberschwaben kommt, auf der Straße gelebt und ist quer durch Deutschland gereist.

Irgendwann sei er dann schließlich in Bad Hersfeld hängengeblieben und bekam von einem Gleichgesinnten den Tipp, bei der Beratungsstelle für Wohnungslose vorbeizuschauen. Inzwischen lebt der 46-Jährige in einer kleinen Wohnung im Ortsteil Hohe Luft und besucht regelmäßig die wöchentlichen Treffen ehemaliger Wohnungsloser in der Beratungsstelle an der Löhrgasse.

„Hausdrachen“ überzeugte

Dabei habe er anfangs gar keine Wohnung haben wollen, „warum auch?“, fragt Hansi wie selbstverständlich. Überzeugen konnte ihn schließlich Annette Hantke, die Hansi liebevoll seinen „Hausdrachen“ nennt. Hantke ist seit 1991 bei der Beratungsstelle tätig und eine wichtige Ansprechpartnerin für viele Wohnungslose und ehemalige Wohnungslose.

„Stress mit dem Job, dem Arbeitsamt, Scheidung“, nennt Hansi Gründe, warum er überhaupt auf der Straße gelandet ist. „Ich bin eben auch ein Mensch, der sich nicht alles gefallen lässt“, schiebt er noch hinterher und lächelt. Auf der Straße habe er viel gelernt und eine große Ehrlichkeit erfahren. „Das sind alles ehrliche Menschen“, meint der 46-Jährige, anders als im „normalen“ Leben.

Gelernter Stahlbauschlosser sei er, berichtet Hansi und fügt hinzu, „aber heute interessiert das keinen mehr“. Bewerbungstrainings habe er absolviert und viele Bewerbungen geschrieben, aber bislang nur Absagen bekommen. „Fünf Jahre OFW. Da kriegt man gleich einen Stempel drauf“, erklärt er. Mit OFW meint der 46-Jährige „ohne festen Wohnsitz“.

Seine viele freie Zeit verbringt der Wahl-Hersfelder meist an der frischen Luft, immer an seiner Seite: Hündin Quietschi. Oft sei er am Fuldawehr anzutreffen und häufig habe er ein Buch dabei. „Für viele bin ich der Verrückte von der Bank“, sagt Hansi lachend mit Blick auf seine Freizeitbeschäftigung. „Ich bin hier bekannt wie ein bunter Hund.“

Keine Kontakte

Kontakt in seine Heimat, zu Verwandten oder alten Freunden hat Hansi keinen mehr. „Ich habe alles hinter mir gelassen“, winkt er ab. „Das ist nicht ungewöhnlich“, weiß Annette Hantke, es gebe aber auch viele, die den Kontakt irgendwann wieder aufnehmen. Den Kontakt zur Beratungsstelle und zu anderen ehemaligen oder aktuell Wohnungslosen jedenfalls hält Hansi weiterhin. „Das sind alles gute Leute hier.“ Und Quietschie darf auch mit.

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