Stellungnahme von Festspielintendant Holk Freytag zur Pressemitteilung der NBL

Bereits vor zwei Jahren habe ich dem Fraktionsvorsitzenden der NBL in der Bad Hersfelder Stadtverordnetenversammlung, Herrn Michael Bock, angeboten, ihn im persönlichen Gespräch über die Sachverhalte der Festspiele exakt zu informieren.

Ich tue das nicht gerne, da ich denke, dass die Festspiele das ungeeignete Objekt für politische Auseinandersetzungen sind und weil ich nach wie vor davon ausgehe, dass der Erfolg der Festspiele das Anliegen aller ist.

  1. Wie bereits veröffentlicht, bin ich mit Bürgermeister Fehling einer Meinung, dass die Schilde-Halle im kommenden Jahr von den Festspielen nicht bespielt wird. Dass sich die Festspiele allerdings durch eine zusätzliche Produktion „selbst Konkurrenz“ machen, halte ich für abwegig, richtet sich diese Produktion doch an ein jüngeres Publikum und stellt einen für das Programm der Festspiele wertvollen Kontrapunkt dar. Das „versenkte Geld“ geht in erster Linie auf die hohen Mietkosten zurück. Die Bespielung der Schilde – Halle war seinerzeit ein ausdrücklicher Auftrag von Bürgermeister Böhmer an mich und erfüllte punktgenau die erwähnte Kontrast-Funktion mit der Erschließung eines jüngeren Publikums.

2. Ich weiß nicht, woher Herr Bock die Information bezieht, dass der Eichhof trotz ausverkaufter Vorstellungen „ein großes Verlustgeschäft“ war. Das Gegenteil ist der Fall.

3. Das Programm EUROPOLIS 2050 mit dem Internationalen Jugendforum gehört zwar nicht zum „Kerngeschäft“, ist aber Bestandteil meines Festspiel-Konzeptes, aufgrund dessen mich der Magistrat 2008 einstimmig zum Intendanten gewählt hat. Inzwischen ist das Programm überregional beachtet und von der Initiative „Deutschland, Land der Ideen“ ausgezeichnet und sogar für den ersten Preis nominiert worden. Finanziert wird es durch zweckgebundene Spenden einiger Sponsoren.

4. Gerne würden wir auf allen möglichen Messen präsent sein – dafür fehlen allerdings die finanziellen Mittel und – noch wichtiger – die personelle Ausstattung des Festspiel-Teams.

5. Besonders ärgerlich ist die Behauptung, man habe um die Beteiligung am Hessentag „betteln müssen“. Der Hessentag fand eine knappe Woche vor der Eröffnung der Festspiele statt, also zu einer Zeit da alle Darstellerinnen und Darsteller buchstäblich um die Uhr in Proben gebunden waren. Gerne würde ich Herrn Bock einmal die Beanspruchung des künstlerischen Personals darlegen. Es bestehen auch hier völlig falsche Vorstellungen über die personelle Ausstattung der Festspiele. Außerdem verweise ich darauf, dass trotz hoher Belastungen zwei Mitglieder des Festspielensembles am Hessentag teilgenommen haben.

6. Es gibt eine solche Fülle von Publikationen, in denen die Festspiele erscheinen könnten, dass es einer sorgfältigen Auswahl bedarf. Diese wird von Frau Rumpf geleistet. Im übrigen waren die Festspiele durchaus in der Illustrierten Bunte präsent.

7. Energisch zurückweisen muss ich die Kritik an der Hamburger Agentur ESKOM/Partner. Sie haben einen umfassenden Aufgabenkatalog erfüllt. So sind die Plakate nicht erst im März erschienen – im März erschien die zweite Serie, nachdem die erste bereits im November erschienen war. Die Gewinnung von Sponsoren ist kein Geschäft von wenigen Wochen und die Agentur hat hier systematisch und nicht ohne Erfolg gearbeitet. Aber wer im November damit beginnt Sponsoren zu gewinnen, der kann nicht erwarten, dass im März oder April Gelder fließen. Auch dies würde ich Herrn Bock gerne einmal in einem persönlichen Gespräch darlegen.

8. „Es ist schon so, dass jeder Intendant die Wünsche der Stadt, die ihn bezahlt, zu erfüllen hat. Daran kann man immer mal wieder erinnern“. Sollte dieser Satz wirklich ein Originalzitat von Herrn Bock sein, so möchte ich darauf antworten, dass dies nicht der Umgangston ist, den ich Jahrzehnte lang von meinen Rechtsträgern gewohnt bin und ich hoffe, dass er eine einmalige Entgleisung ist, zu der ich keinerlei Anlass geliefert habe.

Holk Freytag, 13.8.2012

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