Drei CDU-Kandidaten wollten nach Berlin: Ein heißer Wahlabend im Hessischen Hof

Bis die Steine purzeln

Der lachende Dritte: Helmut Heiderich (Mitte) hat es wieder geschafft und nimmt einen neuen Anlauf nach Berlin. Mit ihm lächeln tapfer die unterlegenen Heike Meyer und Michael Stein. Fotos: Franziska Kiele

Bebra. Der große Saal im Hessischen Hof dampft. Brillen beschlagen. Spannung liegt in der Luft. Demonstrativ schüttelt Helmut Heiderich Hände von alten Parteifreunden. Der hagere Marathonläufer wirkt angespannt.

Auch Michael Stein in seinem Trachtenblazer sucht bewusst den Schulterschluss mit seinen Unterstützern. Heike Meyer verteilt unterdessen Mentholbonbons. Sie tritt für frischen Wind in Berlin an. Im Hessischen Hof indes steht die Luft.

Während auf der Bühne die Regularien des Wahlvorgangs verhandelt werden, schleppen fleißige Serviererinnen riesige Schnitzel und Gulaschsuppenterrinen zu den Tischen der Delegierten. Wahlkampf macht eben hungrig.

Die beiden altgedienten Landtagsabgeordneten Kurt Wiegel und Dirk Landau versuchen, die Stimmung anzuheizen. Sie ätzen gegen Rot-Grün und den reichen Redner Steinbrück. Der Funke springt nicht über. Die beiden Kreisverbände sind jetzt ganz auf sich selbst konzentriert. Einzig als SPD-Kreisgeschäftsführer Thomas Giese den Saal als Zuhörer betritt, kommt Stimmung auf. „Der will wohl mal sehen, wie es richtig geht“, tönt es aus den CDU-Reihen.

Nach der Nominierung der drei Kandidaten durch Parteifreunde aus dem jeweiligen Kreis sind die Bewerber gefordert. Leidenschaftlich und kämpferisch empfehlen sie sich als die beste Wahl für Berlin. Dabei arbeiten sich alle an Michael Roth ab, der bislang noch immer das Direktmandat geholt hat. Ihren politischen Gegner haben alle klar im Visier. Diesmal soll die SPD-Bastion fallen.

Die Aussprache nach den Bewerbungsreden ist kurz. Ein Delegierter ergreift für Heike Meyer Partei. Das war’s. Schmutzige Wäsche wird heute nicht gewaschen. Jetzt wird abgestimmt. Nur wenige nutzen die weiße Wahlkabine, die meisten haben ihr Kreuz längst gemacht. Wahlhelfer sammeln die Stimmzettel ein. Dann wird ausgezählt. Und es wird spekuliert. Braucht es einen zweiten Wahlgang?

Draußen vor dem Hessischen Hof beruhigen einige Delegierte die angespannten Nerven mit einer Zigarette. Der Qualm vermischt sich mit dem Nebel, der in dichten Schwaden ins Fuldatal gezogen ist. Ein Klingeln ruft alle zurück. Timo Lübeck, der umtriebige Büroleiter von Helmut Heiderich, nickt seinem Chef unmerklich zu. Weiß er schon etwas? Heiderichs Gesichtszüge entspannen sich.

Um 21.30 Uhr verkündet Versammlungsleiter Thorsten Bloß das Ergebnis: „57,3 Prozent für Helmut Heiderich.“ Fast hört man jetzt bei ihm die Steine vom Herzen purzeln. Der erste Kuss danach gehört seiner Ehefrau Ingrid. Sie wird weiterhin viele Abende auf ihren Mann verzichten müssen.

Von Kai A. Struthoff

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