Veranstaltung zum Auschwitz-Gedenktag im Bad Hersfelder Kinocenter - Dokumentarfilm „Stolperstein“

Steine der Erinnerung

Horst Selbiger, Anette Hütz und Karl Honikel (von links) gehören zu den Befürwortern des Projektes Stolpersteine. Am 27. Mai 2010 wird in Rotenburg/Fulda ein erster Stolperstein von Gunter Demnig verlegt. Foto: Schmidl

Bad Hersfeld. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, erklärt der Künstler Gunter Demnig das von ihm entwickelte Projekt Stolpersteine. Mit Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die von Nationalsozialisten deportiert, vertrieben und ermordet wurden.

Die kubischen Betonsteine aus seiner Werkstatt, auf deren Oberseite sich eine individuell beschriftete Messingplatte befindet, werden vor den letzten frei gewählten Wohnorten der NS-Opfer in das Pflaster des Gehweges eingelassen.

22 000 Steine in 530 Städten

Inzwischen hat Gunter Demnig über 22 000 Steine in etwa 530 Städten und Gemeinden in Deutschland und in weiteren europäischen Ländern gesetzt. Anlässlich der Veranstaltung zum Auschwitz-Gedenktag im Bad Hersfelder Kinocenter, zu der die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Bad Hersfeld Rotenburg eingeladen hatte, wurde der eindrucksvolle Dokumentarfilm „Stolperstein“ der Dokumentarfilmerin Dörte Franke gezeigt. Sie ist die Tochter von Uta Franke, Demnigs Lebensgefährtin und Koordinatorin des Projektes.

Der Film berichtet über zahlreiche Etappen des Kunstprojekts Stolpersteine und entwirft ein Portrait des Bildhauers Gunter Demnig. Thematisiert wird aber auch die öffentliche Kontroverse über die Aufstellung der Gedenktafeln.

Horst Selbiger begrüßte vorab als Vorstandsmitglied die Vertreter der Kirchen, Kommunen, Parteien, Schulen, Vereine und Verbände. Selbiger erinnerte an die Befreiung des größten Vernichtungslagers der Menschheitsgeschichte durch die Rote Armee am 27. Januar 1945. Er gedachte aber auch der mehr als sechzig Mitglieder der großen Familie Selbiger, die in Auschwitz und anderen Vernichtungslagern ermordet wurden. „Geben sie den Opfern ihre Namen zurück“, ist seine berechtigte Forderung.

Bad Hersfeld gehört noch nicht zu den Orten, in denen mit „Stolpersteinen“ ein Zeichen gesetzt wurde. Wie in vielen anderen Städten wird auch im hiesigen Stadtparlament über das Projekt diskutiert. Das Ergebnis wurde von Stadtverordnetenvorsteher Dr. Rolf Göbel, selbst Befürworter des Projektes, in der ergiebigen Diskussionsrunde vorgetragen.

Gedenktafel kommt nicht an

Die Idee, statt Stolpersteinen eine Gedenktafel zur Erinnerung an das abgerissene „Judenhaus“ Bahnhofstraße 11 aufzustellen, fand allerdings keinen Anklang. Allenfalls in Verbindung mit Stolpersteinen vor den ehemaligen Wohnhäusern jüdischer Mitbürger.

Der Verein hat schon Kontakt zu dem Künstler aufgenommen, der im Oktober 2010 die Stolpersteine in Bad Hersfeld verlegen könnte. Demnig geht es nicht um ein tatsächliches „Stolpern“. „Man stolpert nicht und fällt hin, man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen“, erklärte er einem Schüler. Auch in Bad Hersfeld haben sich am Vormittag mehrere Schulklassen den Film über die Geschichte des größten, dezentralen Denkmals der Welt angesehen.

Von Gudrun Schmidl

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