Stein ins Rollen gebracht, Stein des Anstoßes

Liebe Leserinnen und Leser im Hersfelder Land,

den Stein wieder ins Rollen gebracht hat Thüringens Kultusminister Christoph Matschie in dieser Woche. Der SPD-Mann besuchte die Regelschule Bad Liebenstein, deren Schüler und Lehrer seit Langem auf grünes Licht für ihr Konzept Gemeinschaftsschule warten.

Demzufolge sollen Kinder dort zukünftig bis zur achten Klasse gemeinsam lernen und erst dann entscheiden, ob sie den Hauptschul-, Realschul- oder einen Gymnasialabschluss machen wollen. Es wäre die erste Gemeinschaftsschule im Wartburgkreis, nachdem das Thüringer Kultusministerium diese Schulform für den Freistaat gebilligt hat.

Matschie hat bei seinem Besuch deutlich gemacht, dass die Gemeinschaftsschule in Bad Liebenstein schnell kommen soll, doch Landrat Reinhard Krebs war sichtlich nicht begeistert. Er sprach von Bedenken bei betroffenen umliegenden Grundschulen und Gymnasien und drückte auf die Euphoriebremse. Warum eigentlich?

Nun soll ein Treffen mit Vertretern der betroffenen Schulen und des Schulamtes Klärung bringen. Kommt die Gemeinschaftsschule dann wirklich? Vielleicht ist es der ein oder andere Anhänger des Modells in Bad Liebenstein schon müde. Schulleiter Jürgen Heinel beklagte etwa, dass man sich damals von Seiten des Kreises zu dem Vorhaben nicht klar geäußert habe. Schon mehrfach war ein entsprechend nötiger Beschluss zurückgestellt worden.

Stein auf Stein soll unterdessen in der Gemeinde Barchfeld-Immelborn gesetzt werden. Der Haushalt steht und umfasst eine lange Liste an geplanten Investitionen. Und die Gemeinde wird zum Trendsetter: Die Verwaltungsmitarbeiter sollen zukünftig mit Tablets ausgestattet werden, um die großen Papierberge in der Verwaltung zu minimieren. Wird das Rathaus bald zum Nerd-Haus?

Auch Vacha hat den Haushalt verabschiedet. Und im Rathaus der Rhönstadt war man froh, alle neuen Ortsteile der nun bestehenden Einheitsgemeinde darin ausgewogen repräsentiert zu sehen. Die Planungen für das Riesenprojekt Rathaussanierung sollen beginnen und der ehemalige Grenzturm in der Nähe der Werrabrücke soll modernisiert und erschlossen werden. Das ist lobenswert, es handelt sich immerhin um eines der sogenannten unbequemen Denkmale.

Da können die Vachaer gerne mal nach Unterbreizbach schielen. Dort hat man sich zum Erhalt des Turmes im ehemaligen Grenzgebiet Richtung Glaamer Grund entschlossen und das Umfeld hergerichtet, sodass die Lokalgeschichte des Kalten Krieges nicht in Vergessenheit geraten kann.

Zuletzt folgt der Stein des Anstoßes – in Tiefenort bedeutet das mittlerweile in erster Linie: Erdfall. Wie jetzt bekannt wurde, ist zwischen Ober- und Unterrohn in der Nähe des Steinbruchs ein neuer Erdfall aufgetreten – der Boden in dem schwer zugänglichen Gelände ist abgesackt.

Das entstandene Loch misst etwa fünf mal fünf Meter, wurde abgesperrt und steht nun unter Beobachtung. Manchen Tiefenorter überkommt da vielleicht wieder die Furcht, im Ort kam es schon vermehrt zu Erdfällen und Nachrutschen. Einige Bewohner mussten ihre Häuser daraufhin verlassen und müssen bis heute mit der dauerhaften Nutzungsuntersagung leben, die der Kreis ausgesprochen hat.

Sven.wagner@stz-online.de

Kommentare