Was deutet in Bad Hersfeld auf die Frauenfußball-WM hin Eine Spurensuche

Wo steht die Papp-Prinz?

Ein paar Spuren der Fußball-WM sind in der Hersfelder Innenstadt zu finden: Im Süßwarenladen von Elke Ziebe (links) gibt es Schokoladenfußbälle in sämtlichen Größen, in der Buchhandlung verkauft Silvia Licht einige Zeitschriften zur WM. Fotos: Marth

bad hersfeld. Fähnchen an den Autos, Flaggen in den Fenstern, Philipp Lahm auf der Chipsdose. Beim Bäcker, an der Tankstelle, beim Friseur nur ein Gesprächsthema: König Fußball. Die Geburt des Public Viewing. Nur allzu gern erinnern wir uns an unser Sommermärchen. Den Hype, den die Fußball-WM 2006 in Deutschland ausgelöst hat.

Morgen beginnt nun also die Frauenfußball-WM im eigenen Land. Wir gehen auf Spurensuche: Was deutet in der Innenstadt von Bad Hersfeld auf die Frauenfußball-WM hin? Die Antwort fällt kurz und knapp aus: Wenig. Oder besser gesagt: So gut wie nichts.

Anpfiff am Markt. Der Gang vom Linggplatz die Weinstraße hinunter soll für uns zu einer bitteren Niederlage werden. Nichts, aber auch gar nichts, was an die WM erinnert. Keine Werbung, keine WM-Angebote in den Schaufenstern – nichts. Nachfrage in der Bäckerei: „Haben Sie zur WM vielleicht etwas Besonderes im Sortiment? WM-Brötchen, Fußball-Berliner oder so? Antwort: „Nee, haben wir nicht. Nur die normalen mit Mus.“ Ach so.

Weiter in den Supermarkt. Ein WM-Gewinnspiel gleich am Eingang. Immerhin. Und dort, ein Aktionsstand: Grillen wie die Weltmeister? Von wegen. „Sommer, Sonne, Sonnenschein“, steht auf dem Schild, das über den Grillsaucen, dem Grillanzünder und all den anderen Utensilien hängt. Die WM findet hier nicht statt. Grillen und Frauen passen nicht zusammen.

Halbzeit. Rein in die City-Galerie. Hier fällt uns als erstes ein Mönch aus Pappe in die Augen. Werbung für die Festspiele. Aber nicht für die WM. Eine Birgit Prinz aus Pappe suchen wir vergeblich. Dafür lächelt uns wenig später Fatmire Bajramaj bezaubernd an. Allerdings nur vom Sport-Bild-Sonderheft. In der Buchhandlung finden wir am Zeitungsständer wenigstens einige Zeitschriften, die sich mit der WM beschäftigen. Zu einer gibt’s sogar die schwarz-rot-goldene Sommermärchen-Autofahne gratis dazu.

Die ist schon vergriffen

Ist die Nachfrage derzeit besonders groß, wollen wir wissen. „Die Bravo Sport ist schon vergriffen“, berichtet uns die freundliche Verkäuferin und weist uns auf einen WM-Terminplaner im handlichen Mini-Format hin. Sie will WM schauen, obwohl sie sich eigentlich gar nicht so recht für Fußball interessiert. „Das haben sich die Frauen doch verdient. Die spielen klasse und nicht so hart wie die Männer“, findet sie.

Kurz vor dem Abpfiff doch noch ein Hoffnungsschimmer In einem Süßwarenladen gibt’s Schoko-Fußbälle, Schokoladen-Tafeln mit Fußball-Aufdrucken und einiges mehr. „Einige Dinge hatten wir schon zur WM im vergangenen Jahr im Sortiment“, klärt uns die Verkäuferin auf. Auf ein WM-Geschäft hofft sie nicht wirklich.

Verlängerung in der Sportabteilung. Als wir das große Kaufhaus betreten, sind wir plötzlich gar nicht mehr sauer. Hier schlägt das Hersfelder Herz der Frauenfußball-WM. Ein breites Sortiment erwartet uns. Trikots, Trainingsjacken, T-Shirts für „Fußballfrauenversteher“, dazu ein Aktionstisch, mit Dingen, die der echte Fan braucht (oder auch nicht?). Hüte aller Art, eine Haarsträhne, Schminke, Handyanhänger, Fahnen, Hawaiiketten - alles in Landesfarben versteht sich.

Noch laufe das Geschäft mit den WM-Artikeln schleppend an, berichtet Andreas Strauch, aus der Sportabteilung. „Die Trikots gehen noch nicht so gut, bislang eher die Kleinigkeiten wie Autofahnen“, verrät er. Spiele das deutsche Team aber erfolgreich, könne sich das schnell ändern. „Wir hoffen auf ein kleines bisschen Euphorie und Sommermärchen“, sagt Strauch. Mit der Männer-WM könne man das aber sich nicht vergleichen. Abpfiff!

Von Kristina Marth und Sascha Herrmann

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