34-Jähriger vor Gericht

Da staunten die Polizisten: Computer gesucht, Rauschgiftplantage gefunden

Bad Hersfeld. Als die Polizei im September vergangenen Jahres die Wohnung eines Frührentners aus Weiterode durchsuchte, hatten es die Beamten eigentlich auf dessen Computer abgesehen: der 34-Jährige stand wegen antisemitischer Äußerungen unter dem Verdacht der Volksverhetzung.

Die Ordnungshüter staunten deshalb nicht schlecht, als sie unversehens auf eine Hanfplantage stießen. Sechs Pflanzen befanden sich in einem für den Anbau ausgestatteten Kämmerchen unterhalb der Treppe, auf einem Tisch lagen Blätter, auf einer Leine waren die Blüten zum Trocknen aufgehängt. Bei einem Wirkstoffgehalt von 9,5 Prozent und 11,06 Gramm war der Grenzwert der rechtlich relevanten „nicht geringen Menge“ um das Anderthalbfache überschritten – also kein Vergehen mehr, sondern ein Verbrechenstatbestand.

Der Frührentner begleitete die länger als eine Stunde dauernde Untersuchung nahezu ohne Unterlass mit übelsten Beleidigungen gegen die Polizisten. Zum Abschied zeigte er seinen nackten Hintern und grüßte mit den beiden ausgestreckten Mittelfingern. Als ihm gestern vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Bad Hersfeld wegen der Rauschgifttaten und der Beleidigungen der Prozess gemacht wurde, gab sich der Angeklagte kleinlaut. Er legte nicht nur ein Geständnis ab, sondern entschuldigte sich bei den Zeugen auch für sein Verhalten, das ihm heute peinlich ist.

Zur Erklärung führte er seinen labilen Gesundheitszustand an. Psychische Probleme und Schmerzen im Rücken sowie in den Beinen plagen den Weiteröder schon seit Jahren und sind Ursache für die Frührente. Das Rauschgift war allein für den Eigenkonsum gedacht und diente ihm als Schmerzmittel. Das Gericht unter Vorsitz von Michael Krusche attestierte dem Frührentner zwar mit Blick auf die kranke Psyche für die Beleidigungen eine verminderte Schuldfähigkeit, sah aber keinen Zusammenhang zum Rauschgiftanbau. Dafür gab es anderthalb Jahre Freiheitsstrafe, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Dazu wurden 100 Stunden gemeinnützige Arbeit verhängt. Für die Beschimpfungen muss der Weiteröder 600 Euro Geldstrafe bezahlen.

Das Urteil entsprach in vollem Umfang dem Antrag von Staatsanwalt Harry Wilke. Verteidiger Artak Gaspar hatte eine Gesamtstrafe von acht Monaten für ausreichend gehalten und den gesamten Kopmlex als minderschweren Fall bewertet. In den erwähnten Fällen der Volksverhetzung ist das Verfahren noch nicht abgeschlossen und bisher keine Anklage erhoben.

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