Staubsauger an Asylbewerber verkauft und Provisionen kassiert

Bad Hersfeld. Opfer eines systematischen Betrugs von Staubsauger-Vertretern aus dem Raum Bad Hersfeld wurden im Zeitraum Oktober 2014 bis Februar 2015 mehr als 30 Ausländer vom Balkan, die erst vor Kurzem nach Deutschland gekommen waren.

Fehlende Sprachkenntnisse und Unklarheit über die finanziellen Ausmaße von Kauf- und Darlehensverträgen hatten laut Anklage der Staatsanwaltschaft Fulda eine 26 Jahre alte Frau aus Bad Hersfeld und ihr ein Jahr jüngerer Helfer ausgenutzt, um rasch zu Abschlüssen zu kommen und die fälligen Provisionen zu kassieren.

Im Prozess vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Bad Hersfeld gab sich die Handelsvertreterin, die es bei der Staubsaugerfirma bereits zur Teamleiterin gebracht hatte, unwissend. Die fragwürdigen Kunden habe der aus Kroatien stammende Mitangeklagte in seinem Verwandten- und Bekanntenkreis angesprochen. Der 25-jährige Familienvater aus Niederaula räumte dies wie auch schon in seiner polizeilichen Vernehmung ein, die tatsächlichen Abschlüsse habe jedoch die Teamleiterin vorgenommen. Diese habe dafür auch die reguläre Provision von mindestens 18 Prozent der Kaufsumme – zusammen knapp 7000 Euro – bezogen, während er mit 40 Euro pro Vertrag entlohnt worden sei. Dass die meisten der nur oberflächlich geprüften Verträge von den Staubsauger-Käufern schon nach kurzer Zeit nicht mehr bedient werden konnten, habe man in Kauf genommen.

Verfahren abgetrennt

Der arbeitslose Wachmann wurde nach vorausgegangener Verständigung der Prozessbeteiligten wegen Betrugs in 33 Fällen zu einer Geldstrafe von 900 Euro verurteilt. Das Verfahren gegen die vermeintliche Haupttäterin musste abgetrennt und auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden, weil ihr Verteidiger, der Fuldaer Rechtsanwalt Rudolf Karras, durch angekündigte Beweisanträge einen zeitnahen Verfahrensabschluss unmöglich gemacht hatte. 

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