Ina Deter und Band gastierten in Bad Hersfelder Martinskirche

Stark durchs Leben

Ina Deter steht seit mehr als 30 Jahren erfolgreich auf der Bühne. Am Donnerstag war sie zu Gast in der Martinskirche mit ihrer Band, unter anderem Doro Gehr (links) und Andreas Kupfer (rechts). Foto: Zacharias

Bad Hersfeld. Ina Deter will die Hälfte der Welt. Immer noch, mehr als 30 Jahre nachdem sie mit rockigen Liedern und deutschen Texten über die Gefühlswelt moderner Frauen bekannt geworden ist. Und weil vieles, was Frauen sich so wünsch(t)en, doch deutlich länger dauert, als damals erhofft, geht Ina Deter davon aus, dass sie auch mit 90 Jahren noch singen wird von den neuen Männern, die das Land braucht.

So hatte das Konzert der bekannten Deutschrockerin, die mit ihrer Band in die Martinskirche nach Bad Hersfeld gekommen war, deutlich nostalgische Anklänge. „Diese Lieder haben mir früher viel bedeutet“, erzählt eine Konzertbesucherin, die einen ganzen Stapel alter Ina-Deter-Schallplatten dabei hat, die sie sich signieren lassen will.

Das Leben ist nicht spurlos am Idol vieler bewegter Frauenvorübergegangen. Das goldfarbene Bühnenjäckchen aus den Achtzigern spannt doch etwas, gibt die 63-Jährige freimütig zu, und auf dem Lautsprecher neben ihr liegt stets griffbereit die Lesebrille. Ina Deter hat viele Stürme durchlebt, ist oft gestürzt und wieder aufgestanden, hat auch eine schwere Krankheit überstanden und dabei ihre Leidenschaft fürs Leben nicht verloren.

Siehst Du wieder scharf aus!

„Eines Morgens wachte ich auf und dachte mir – trotz der Falten – Mann, siehst du heute wieder scharf aus“, erzählt die Sängerin und das Publikum, das selbst zum allergrößten Teil die erste Blüte der Jugend schon lange hinter sich gelassen hat, jubelt ihr zu.

Ina Deter und viele ihrer Zuhörerinnen teilen gemeinsame Träume: Von einem selbstbestimmten Leben für Männer und Frauen, zum Beispiel, von Beziehungen, die Nähe ebenso zulassen, wie Freiheit, von Lust und Leidenschaft, vom stark sein können und schwach sein dürfen, von der Freiheit, zu lieben, wen sie wollen und natürlich von den neuen Männern, mit denen all das möglich ist.

Neben vielen alten Liedern hatte Ina Deter aber auch einiges Neues im Gepäck. Lucy in the Sky, zum Beispiel, erzählt von dem Wunsch, einfach alles hinter sich zu lassen und irgendwo unterm Sternenhimmel am Strand zu leben. Auch ein Lied aus ihrem Edith-Piaf-Projekt singt Ina Deter, unter lebhafter Mitwirkung des Publikums, das wacker „padam, padam“ beisteuert.

Begleitet wurde Ina Deter von Musikern, die sie teilweise schon seit Jahrzehnten begleiten. Manni Hollaender an der Gitarre, Micki Meuser am Bass, Doro Gehr am Piano und Andy Kupfer am Schlagzeug. Sie alle zeigten sich als vielseitige Meister ihres Fachs. Kein Wunder also, dass es immer wieder jubelnden Beifall, stehende Ovationen und schließlich zwei Zugaben gab.

Von Christine Zacharias

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