Zukunftsakademie Hersfeld-Rotenburg gibt neue Impulse zum Thema Demenz

Standpunkte verrücken

Neue Perspektiven entwickeln: In einem Forum der Zukunftsakademie Hersfeld-Rotenburg im Altenzentrum Hospital zum Thema „Leben mit Demenz“ tauschten Teilnehmer aus verschiedenen Institutionen ihre Erfahrungen aus. In einem Netzwerk sollen Angehörige, Pflegende und Mediziner künftig voneinander profitieren. Foto: Privat

Bad Hersfeld. Sie leben in einer eigenen Welt, sind schutzlos und höchst irritierbar. Der Umgang mit Demenzkranken ist eine Herausforderung. Mit dem Zukunftsforum „Verrückt? Ver-r-ückt! Leben mit Demenz“ im Altenzentrum Hospital gab die Zukunftsakademie Hersfeld-Rotenburg mit Unterstützung der Sparkasse neue Impulse und will Angehörigen, Pflegekräften sowie Betroffenen somit neue Perspektiven aufzeigen und Standpunkte verrücken.

Wichtig seien hierbei Sensibilisierung und Aufklärung, aber vor allem der dialogische Austausch, da sich Betroffene oft alleine gelassen fühlten, erklärte Joachim Lindner, Vorsitzender der Zukunftsakademie Hersfeld-Rotenburg und ärztlicher Direktor der Klinik am Hainberg in Bad Hersfeld.

„Um Gruppenprozesse in Gang zu bringen, haben wir daher eine Referentin gesucht, die gegen den Strich denkt, nämlich nicht defizitorientiert, sondern ressourcenorientiert“, sagt Lindner.

Karla Kämmer arbeitet seit vielen Jahren als Organisationsberaterin im Gesundheits-, Sozial- und Pflegewesen und hat sich intensiv mit dem Thema Demenz beschäftigt. In einem Vortrag gab sie Einblicke in die „innere Welt“ der Erkrankten.

Enorme Chancen

„Eine solche Initiative, wie die der Zukunftsakademie, ermöglicht enorme Chancen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, damit es allen Betroffenen besser geht“, sagte Karla Kämmer.

In Diskussionsrunden und anschließenden Workshops rund um das Thema Demenz wurden Erfahrungen und Ergebnisse ausgetauscht.

Netzwerkarbeit

Miteinander vernetzen, inspirieren und voneinander profitieren heißt die Devise – und genau das ist das Ziel der Zukunftsforen: die Netzwerkarbeit.

Einzelne Verantwortliche der verschiedenen Institutionen, des Landkreises, der Kliniken, Altenheime sowie Pflegedienste sollen von diesem Austausch profitieren, in dem der Mensch im Mittelpunkt steht. „Das Leben ist im Nu vorbei und sollte nicht durch Krampf und Not geprägt sein, sondern wir sollten Verkrampftheit durch gegenseitige Unterstützung lösen“, gab Ronald Loot, Heimleiter des Altenzentrums Hospital zu bedenken.

Obwohl es bereits eine Reihe von unterstützenden Angeboten und Selbsthilfegruppen gibt, ist es wichtig, dass Betroffene im Umgang mit Demenz so früh wie möglich miteinander ins Gespräch kommen. Denn die Teilnehmer des Forums stellten fest: Demenz ist nicht unbedingt etwas Negatives. Die Gesellschaft hat ein Problem damit, weil sie nicht weiß, wie sie damit umgehen soll. Um das gesellschaftliche Netzwerk zu vergrößern und an neue Herangehensweisen anzuknüpfen, plant der Fachbereich Zukunftsforen zwei weitere Veranstaltungen zum Thema „Leben mit Demenz“.

Da die Zahl der Erkrankten steigt, solle die Gesellschaft diese Herausforderung annehmen, mahnte Joachim Lindner.

Von Nina Skrzyszowski

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