Standortsuche und verpasste Chancen

Karl Schönholtz

Es ist schon eine Weile her, dass die Bad Hersfelder Stadtparlamentarier die Rückkehr der Tourist-Information ins Zentrum beschlossen haben. Denn die sicherlich mit besten Absichten erfolgte Verlegung dieser ersten Anlaufstelle für Besucher von außerhalb in den Schilde-Park hatte sich im Nachhinein als Fehlentscheidung erwiesen. Geändert hat sich zwar bis heute nichts, was aber keineswegs bedeutet, dass nicht heftig über neue Standorte nachgedacht würde. Nach Auskunft des städtischen Pressesprechers Meik Ebert werden derzeit auf Vorschlag von Kurdirektor Christian Mayer vier denkbare Varianten untersucht, darunter die Nutzung der ehemaligen Festspielverwaltung am oberen Rathausplatz in der Weinstraße. Der Magistrat wird sich Eberts Einschätzung nach Anfang März entscheiden. Eine Umsetzung soll dann rasch erfolgen.

Die Podiumsdiskussion gegen die „Fischer vom rechten Rand“ in der Bad Hersfelder Stadthalle erwies sich unter dem Strich als verpasste Chance. Was der Rechtsextremismus-Experte Volkmar Wölk über die Strukturen von AfD und Pegida zu berichten hatte, das vermochte genauso wenig zu überraschen wie die Stellungnahmen der Parteienvertreter.

Auch bei den Publikumsfragen war man sich in der Grundhaltung einig und blieb unter sich. Deswegen traf die vereinzelt laut gewordene Kritik, die eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der AfD vermisste, genau den Punkt: Miteinander reden statt übereinander, den Konflikt deutlich machen und damit mehr anbieten als den Konsens der Ablehnung – das hätte den meisten im Saal wohl mehr gebracht als drei lange Stunden des Wiederkäuens von überwiegend bereits bekannten Informationen. Oder anders und an die Adresse der Veranstalter vom runden Tisch, DGB und Ausländerbeirat gesagt: Gut gemeint ist halt noch lange nicht gut gemacht.

Das Interesse für die neue Flüchtlingsunterkunft in Bad Hersfeld war groß. Wer jedoch erwartet hatte, dass sich bei der Informationsveranstaltung der Stadt auch Skeptiker und Protestler zu Wort melden würden, der lag daneben. Stattdessen gab es viele interessierte Fragen zu Organisation und Abläufen, mehr aber noch zu Möglichkeiten, die heimatlosen Menschen zu unterstützen – sei es durch Sachspenden oder Hilfsdienste. Die Bereitschaft, die Integration der Flüchtlinge positiv zu begleiten, war fast mit Händen zu greifen. So vermittelte die Veranstaltung den willkommenen Eindruck, dass Fremdenfeindlichkeit in Bad Hersfeld keine Option ist.

Kommentare