Hure Maria erzählt vom Einstieg in den Job und von Freiern

Standard für 50 Euro

Lust hat ihren Preis: Die Prostituierte Maria hat nur wegen des Geldes angefangen, ihren Körper an fremde Männer im Bordell zu verkaufen. Foto:  Picture Alliance

Hersfeld-Rotenburg. Maria rauscht hektisch in die Küche des Freudenhauses. „Ein Kunde wollte mich kurz sehen“, entschuldigt sie sich mit rauchiger Stimme. Sie trägt ein schwarzes, fast durchsichtiges Negligee. Ihre Brustwarzen schimmern durch den Stoff. Plötzlich streift sie das Teil vom Körper und steht nur noch im Schlüpfer da. „Oh, ich habe es falschherum an“, sagt sie grinsend und zieht genüsslich an ihrer Zigarette. Maria ist Hausdame im Puff. Einem von mehreren im Kreis Hersfeld-Rotenburg.

Die 50-Jährige, die aus dem Werra-Meißner-Kreis stammt, ist es gewohnt, ihren Körper zu zeigen und an fremde Männer zu verkaufen. „Als ich mit der Prostitution angefangen habe, war ich 28 Jahre alt“, erinnert sie sich und nippt an ihrer Kaffeetasse. Sie hatte einen Bekannten, dem ein Kasseler Club gehörte und wollte dort die Chance nutzen, schnell an Geld zu kommen. Maria (Name geändert) erinnert sich: „Ich war geschieden, hatte zwei kleine Kinder und konnte wegen ihnen nicht arbeiten. Eines Tages sagte ich zu meiner Freundin, sie soll auf die beiden aufpassen, weil ich in Kassel arbeiten muss.“

Der erste Versuch war ein Flop. „Ich habe mich so unglaublich geschämt auf diesem Hocker zu sitzen. Meine Eltern hätten mich umgebracht, wenn sie davon gewusst hätten. Deswegen habe ich an diesem Tag wohl keinen Pfennig verdient“, erzählt sie, während sie scheinbar peinlich berührt ihre Rechte vor die Augen hält.

Ekel vor den Männern

Einige Zeit später versuchte sie ihr Glück in einem Freudenhaus in Borken. Dort lief es deutlich lukrativer. Auch wenn sie der Sex viel Überwindung kostete. „Jeden Mann fand ich einfach nur widerlich. Wie Bauern kamen sie mir vor“, sagt sie angeekelt und zündet sich schnell die nächste Zigarette an.

Immer wieder wechselte sie zwischen Jobs in der Gastronomie und bezahltem Geschlechtsverkehr. Seit einem Jahr arbeitet sie in dem Etablissement in der Nähe von Bad Hersfeld. Heute mag sie es, Puffmutter zu sein. Sie ist aber weder Zuhälterin noch Besitzerin der Räumlichkeiten. „Für die Mädchen bin ich die Bezugsperson. Ich bin für sie da, auch wenn eine von ihnen Kondome, Gleitgel oder einen Dildo braucht“, sagt Maria als sie am Laptop Emails von Freiern beantwortet.

Wenn es brennt, kommt Maria

Maria ist gerade noch am Tippen, als eine halbnackte, dunkelhaarige Schönheit in die von Räucherstäbchen und Glimmstengeln vernebelte Küche platzt. „Maria, komm bitte kurz“, sagt sie mit polnischem Akzent und hilflosem Blick. „Ich hab’s doch gesagt, wenn es brennt, rufen sie nach mir“, flüstert die erfahrene Hure, zieht die Brille von der Nase und geht mit ihrer jungen Kollegin in den Flur.

Die Betreuung der osteuropäischen Nachwuchs-Huren ist aber nicht Marias einzige Beschäftigung: „Wenn eine von ihnen ausfällt, dann springe ich gern ein.“ Im Laufe der Jahre hat sich der Ekel von damals in Spaß verwandelt. „Der Vorteil ist, dass du hier viel mehr Geld verdienst als im normalen Leben“, weiß Maria. Neben dem Geld genießt sie auch das Gefühl von Macht, denn sie ist der Chef, weil der Gast auf sie zu hören hat.

Verliebt in die Lustdame

Marias bevorzugtes Publikum ist zwischen 18 und 35 Jahre alt. Ein 25-Jähriger hat kürzlich ihr Foto auf der Internetseite des Bordells entdeckt und sich offensichtlich sofort in die reife Lustdame verliebt. Sie streift ihr schulterlanges Haar zurück, hält es wie einen Zopf mit beiden Händen nach hinten und erzählt: „Zwei Stunden hat der Kerl draußen auf mich gewartet, weil mir etwas dazwischen kam. Er wollte eben unbedingt von mir entjungfert werden – irgendwie süß.“

50 Euro hat der junge Mann für den Liebesdienst bezahlt. Das ist in Marias Kreisen eine Art Grundtarif. Für diesen Betrag bekommt der Kunde das Standardprogramm: 20 Minuten mit der Frau – Oralverkehr für ihn und Geschlechtsverkehr ohne Stellungswechsel. „Alles andere kostet extra“, sagt Maria mit ernstem Blick und einer glühenden Kippe im Mundwinkel.   Im Rotlicht, Hintergrund

Von Dorothea Backovic

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