Es geht nur gemeinsam, sagt Christian Mayer, der neue Kurdirektor von Bad Hersfeld

Die Stärke der Region zählt

Die Region im Blick: Bad Hersfelds neuer Kurdirektor, Christian Mayer, muss sich zunächst einen Überblick über seine neue Wirkungsstätte verschaffen – aus dem Riesenrad geht das ganz gut. Im Hintergrund auch die Baustelle der neuen Wissenswelt. Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. Der neue Kurdirektor von Bad Hersfeld, Christian Mayer, hat eine Supermann-Aufgabe vor sich. Die touristische Vermarktung Bad Hersfelds wird weit über die Stadtgrenzen hinaus gehen. In einer Gondel des 55 Meter hohen Bellevue-Riesenrads konnte sich der neue Kurdirektor einen Überblick verschaffen. Mit Kai A. Struthoff sprach er über sein neues Amt und seine Ziele.

Herr Mayer, das Lullusfest erinnert uns beide als Bremer auch ein wenig an den Freimarkt, der auch diese Woche eröffnet wird. Wir Ihnen dabei etwas wehmütig zu Mute?

Christian Mayer: Ich habe gehört, welchen hohen Stellenwert das Lullusfest hat, und ich freue mich darauf, gleich nach meiner ersten Woche so ein wichtiges Volksfest erleben zu können. Das wird die Gedanken an den Bremer Freimarkt schnell verblassen lassen. Ich werde mich jedenfalls nach Feierabend hier auf dem Fest umsehen.

Lässt sich so ein traditionsreiches Volksfest auch überregional vermarkten, oder ist das mehr ein Gaudi für die Einheimischen?

Mayer: Das kommt bei Volksfesten immer auf die Größe an. Zum Bremer Freimarkt oder zum Oktoberfest in München kommen die Leute aus aller Welt. Das Lullusfest sollte man sicher vor allem in der Region und in Deutschland vermarkten, um noch mehr Besucher hierher zu holen. Ich glaube, für internationale Gäste, die nicht zuvor schon eine Beziehung zu der Stadt hatten, ist Bad Hersfeld noch nicht bekannt genug.

Hand aufs Herz, kannten Sie vor Ihren Bewerbungsgesprächen das Lullusfest, die Festspiele oder die Stiftsruine?

Mayer: Bad Hersfeld kannte ich vor allem durch Amazon. Aber in Gesprächen mit Bekannten haben mir doch einige auch von den Festspielen erzählt. Das Marketing der Vergangenheit scheint bei der Generation meiner Eltern durchaus erfolgreich gewesen zu sein.

Wir haben Ihnen für Ihren neuen Job ja einen Supermann-Anzug empfohlen. Hier im Riesenrad ist es immerhin ein wenig wie fliegen. Wie beurteilen Sie die Dimension Ihrer Aufgabe als Kurdirektor XL?

Mayer: Die Aufgabenbeschreibung ist umfangreich. Ich kann sicher nicht alles selber machen, das wird nur im Netzwerk funktionieren. Ich bin auf Partner wie den Stadtmarketingverein, die Stadtverwaltung und Petri und Tiemann für die Erlebniswelt angewiesen. Nur gemeinsam wird es uns gelingen, Bad Hersfeld als Tourismusstandort erfolgreich zu vermarkten.

Sie sprechen von Netzwerken. Bisher arbeiten hier im Bereich Tourismus viele Initiativen nebeneinander her. Können Sie sich auch vorstellen, mit den Nachbargemeinden wie etwa Rotenburg zusammenzuarbeiten?

Mayer: Das muss man auf jeden Fall. Es gibt ja bereits enge Verbindungen zur „Grimm Heimat Nordhessen“. Auf einer regionalen Ebene kann man sich noch besser vermarkten. Als einzelne Stadt hat man im bundesweiten Wettbewerb kaum eine Chance. Was zählt ist eine starke Region, um Touristen zunächst in die Region und dann auch nach Bad Hersfeld zu holen. Mit den Festspielen und der Erlebniswelt sind wir der touristische „Leuchtturm“ der Region.

Der Titel Kurdirektor klingt schon etwas verschnarcht. Beschreibt er Ihre Aufgabe eigentlich ausreichend?

Mayer: Diese Bezeichnung stammt aus den hier gewachsenen Traditionen. Für meinen zukünftigen Aufgabenbereich ist er sicher nicht mehr passend. Den klassischen Kur- und Thermenbetrieb hat meine Kollegin Maria Moog übernommen. Der Kurbetrieb allein wird nicht reichen, um Bad Hersfeld voranzubringen. Aber Titel sind Schall und Rauch – wichtig ist, dass die Ergebnisse stimmen.

Wie sehen die nächsten Wochen für Sie aus?

Mayer: Ein Wohnung habe ich hier schon gefunden, ich habe schon vor, länger als ein halbes Jahr hier zu bleiben. (lacht). In dem Zeitraum, bis der neue Bürgermeister im Amt ist, will ich mir einen Überblick verschaffen, möglichst viele der wichtigen Akteure im Tourismus und der Gastronomie kennenlernen. Dann müssen wir gemeinsam ein Konzept entwickeln, wie sich Bad Hersfeld künftig touristisch positionieren soll. Dazu gehört auch die enge Zusammenarbeit mit Petri und Tiemann, damit wir ab Jahresbeginn auch mit der Vermarktung von „Wortreich“ beginnen können.

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