Auftakt-Tour der Klimaschutzaktion wird durch heftige Unwetter unsanft beendet

Stadtradeln im Regen

Auf geht’s: Bürgermeister Thomas Fehling (Mitte in Schwarz) und der Klimaschutzbeauftrage Guido Spohr (rechts daneben) starten bei Sonnenschein vom „wortreich“ zum Stadtradeln. Später sollte es noch nass werden. Foto: Gerhard Manns

Bad Hersfeld. Morgens um neun ist die Welt noch in Ordnung. Die Sonne scheint, als sich rund 70 Stadtradler mit ihren Drahteseln vorm „wortreich“ versammeln, um die Auftakttour der Klimaschutzaktion unter die Reifen zu nehmen: „Der Wettergott spielt mit“, sagt Initiator Guido Spohr, der Klimaschutzbeauftragte der Stadt. Er soll sich irren.

Doch zunächst ist das Peloton bester Laune. Martin Engel von der Radfahrervereinigung ADFC hat eine anspruchsvolle Tour über Friedewald, Philippsthal und den Kegelspielradweg nach Burghaun ausgesucht. Rund 90 Kilometer haben sich die Ambitioniertesten der Radler vorgenommen. Vom Mountainbike über Rennrad bis hin zum E-Bike ist alles am Start.

Friedewald ist auf der Höhe

Guido Spohr hat das Motto der Tour auf sein T-Shirt gedruckt: „Hetz mich nicht“ steht dort zu lesen. Einen „Wettbewerb mit Spaß“ wünscht sich auch Bürgermeister Thomas Fehling. „Im letzten Jahr haben wir 60 000 Kilometer erfahren, diese Zahl wollen wir toppen“, sagt er, bevor er die Radler auf die Piste schickt.

Trainingseinheit für die HZ-Jubiläumstour: Redaktionsleiter Kai A. Struthoff (Mitte), hier mit Hotelchef Markus Göbel (links) und Bürgermeister Dirk Noll, nutzte das Stadtradeln als Training für die geplante Jubiläumstour. Anfang August will Struthoff auf seinem Corratec-Treckingrad, das vom Fahrradgeschäft von Angelika Riebold zur Verfügung gestellt wird, 250 Kilometer durch das Verbreitungsgebiet der Hersfelder Zeitung radeln. Foto: Guido Spohr

Zunächst rollen alle gemächlich durch das Solztal. Gespräche werden geführt, es klicken die Gangschaltungen. Dann zweigt der Radweg von der alten Bahntrasse ab. Es geht bergauf nach Friedewald. Langsam zieht sich das Peloton in die Länge, die Bergexperten schieben sich an die Spitze, E-Bike-Fahrer haben noch Luft zum plaudern, andere pumpen über den Lenker gebeugt.

Auf dem Schlosshof in Friedewald wartet die erste Erfrischung. Bürgermeister Dirk Noll und Markus Göbel vom gleichnamigen Schlosshotel „Prinz von Hessen“, servieren Getränke. „Friedewald ist auf der Höhe – das haben sie gemerkt“, sagt Noll launig-doppeldeutig. Markus Göbel gibt den Radlern dann einen kleinen Überblick über die wechselvolle Geschichte der Gemeinde und der Wasserburg. An Friedewald haben sich schon ganz andere die Zähne ausgebissen.

Nach dem kurzen Stopp geht es in rasender Schussfahrt hinab ins Werratal. Doch am Himmel dräuen düstere Wolken. Die Werra ist noch nicht erreicht, als wütende Blitze über den Himmel zucken. Ganz plötzlich gießt es aus Kübeln. Die Tankstelle in Heimboldshausen wird für viele Radler zum Unterstand.

Im Schlosshof von Philippsthal erwartet Pfarrerin Rita Stückrad-Frisch die durchnässten und fröstelnden Radfahrer. Statt in der kühlen Klosterkirche aus dem 12. Jahrhundert berichtet sie im Schlosshof über Ritter Kruzeburg und die Anfänge der Werra-Gemeinde.

Obdach in Wenigentaft

Dann kommt es zum Schwur. Während einige Radler wieder gen Hersfeld strampeln, macht sich ein harter Kern von 40 Satteltramps auf zum Kegelspielradweg. Doch die Tour endet abrupt. „Vor Wenigentaft wurde es plötzlich so dunklen, dass wir nichts mehr gesehen haben“, erzählt Guido Spohr.

In Wenigentaft öffnet ein Gasthaus spontan sein Lager für die durchnässten Radfahrer und sorgt für Getränke. Ein anderer Teil der Gruppe wird in einem Fliesenlegergeschäft zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Als Retter in der Not kommen schließlich Carsten Mawick vom Hermannshof und einige Fahrzeuge der Stadtwerke und „evakuieren“ die erschöpften Stadtradler.   Inzwischen haben sich bereits 25 Teams angemeldet, weitere sind in Gründung. Ziel ist es, möglichst viele Kilometer C02-neutral zurückzulegen. Anmeldungen sind noch bis zum 29. Juni möglich. Weitere Infos: www.stadtradeln.de oder bei Guido Spohr, Telefon: 06621/16617.

Von Kai A. Struthoff

Video: www.stadttv-hersfeld.de

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