Zahl der Ausleihen 2009 um acht Prozent gestiegen – Trend weg vom gedruckten Buch

Stadtbibliothek legt zu

Spitzenreiter: Das Hörspiel „Die Chroniken von Narnia“ und der Krimi „Tannöd“, hier präsentiert von Sandra Rudolph und Frank Effenberger, lagen im vergangenen Jahr bei den Ausleihungen in der Konrad-Duden-Stadtbibliothek vorne. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Wer bei einer Bibliothek ausschließlich an Bücher denkt, der liegt knapp daneben. Denn sogenannte „Non-Book-Medien“ , also CDs, DVDs, Audio-Kassetten, Konsolenspiele und anderes, haben das gedruckte Buch längst hinter sich gelassen. So auch in der Konrad-Duden-Stadtbibliothek in Bad Hersfeld. „Das ist der Trend, und die Anteile verschieben sich immer weiter,“ sagt Bibliotheks-Chef Frank Effenberger mit Blick auf die Ausleih-Statistik des vergangenen Jahres. Knapp 91 000mal griffen die Nutzer zum klassischen Buch, doch bereits 140 500mal zu einem der anderen Medien.

Spitzenreiter in der Gunst der Nutzer waren die gedruckte Ausgabe des Krimis „Tannöd“ von Andrea M. Schenkel, der im Mittelpunkt der Aktion „Bad Hersfeld liest ein Buch“ stand, und die CD-Box mit dem Hörspiel der „Chroniken von Narnia“.

Unter dem Strich verzeichnete die Stadtbibliothek damit 2009 einen Zuwachs von rund 17 600 Ausleihungen, das sind etwa acht Prozent. Rekordverdächtig ist die Gesamtzahl allerdings nicht, denn 2002 wurden knapp 275 000 Medien ausgeliehen. Als im Jahr darauf eine mittlerweile wieder abgeschaffte Leihgebühr eingeführt wurde, sank die Zahl der Ausleihen vorübergehend unter die Grenze von 200 000.

Auch im Vergleich gut

Jeder dritte Hersfelder ist registrierter Kunde der Bibliothek, knapp 4400 von ihnen haben sich im vergangenen Jahr tatsächlich etwas ausgeliehen.

„Auch im Vergleich mit anderen stehen wir mit unseren Zahlen sehr gut da,“ stellte Effenberger im Gespräch mit unserer Zeitung fest.

Der aktuelle Bibliotheks-Bestand von etwa 63 000 Büchern, CD-ROMs etc. bedeutet, dass jedem der gut 30 000 Hersfelder etwas mehr als zwei Medien zur Verfügung stehen. Der Bundes-Durchschnitt liegt bei 1,3. Auch die Nutzungs-Häufigkeit ist in Bad Hersfeld Spitze: Fast acht Entleihungen kommen pro Jahr auf jeden Einwohner, nur fünf sind deutschlandweit.

Noch größeren Zuspruch wünscht sich Frank Effenberger für die eBooks, also elektronische Bücher, die auf den heimischen Computer heruntergeladen werden. Von dieser im vergangenen Jahr eingeführten Möglichkeit wurde bisher 1288mal Gebrauch gemacht. „Dieser Bereich ist allerdings erst im Aufbau, genau wie die virtuelle Stadtbibliothek, über die man online reservieren kann,“ sagt Effenberger. Gleichwohl ist er froh, in seiner Einrichtung bereits über derart moderne Angebote zu verfügen.

600 000 Euro pro Jahr

Gut 600 000 Euro lässt sich die Stadt Bad Hersfeld ihre Stadtbibliothek im Jahr kosten. Auf der Einnahmenseite stehen lediglich 5000 Euro, die aus Versäumnisgebühren resultieren. Doch in diesem Zusammenhang kann Bibliotheks-Chef Effenberger auf eine aktuelle Untersuchung aus Sachsen-Anhalt verweisen, die „theoretische Jahresgewinne“ in Millionenhöhe errechnet hat. Dort wurden die Bibliotheks--Nutzer nämlich gefragt, wieviel sie zu zahlen bereit wären, stünde ihnen keine kostenlose Bibliothek zur Verfügung.

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Von Karl Schönholtz

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