Polizei sorgt für Sicherheit während Fackelzug der Neo-Nazis und Gegendemonstration

Stadt unter Belagerung

Begleitet von einem großen Polizeiaufgebot und beobachtet von zahlreichen Journalisten steigen die Neo-Nazis in Hünfeld aus dem Zug. Die Jungen Nationaldemokraten, die Jugendorganisation der NPD, hatte zu einem Fackelzug aufgerufen. Insgesamt nahmen nach Polizeiangaben etwa 80 Rechte daran teil. Zur Gegendemonstration kamen mehr als 1000 Menschen. Foto:  Zacharias

Hünfeld. Die Stadt wirkt wie unter Belagerung. An allen Zufahrtsstraßen, teilweise schon in den Nachbarorten, stehen Polizeikontrollen. Beamte werfen kritische Blicke in jedes Fahrzeug, das in Richtung Innenstadt fährt. Ein Bus wird von einem Polizeifahrzeug mit Blaulicht am Kreisel am Stadtrand gestoppt und kontrolliert. Wer friedlich demonstrieren will, darf weiterfahren.

Doch nicht alle wollen friedlich bleiben. Die Polizei hat von linken Antifa-Gruppen gehört, die den Fackelzug der Jungen Nationaldemokraten, der Jugendorganisaton der NPD, für Scharmützel nutzen will. Krawall will die Polizei jedoch verhindern. Das macht auch das riesige Polizeiaufgebot am Bahnhof deutlich. Dort trennen Absperrgitter aus Metall die Bereiche für die Neo-Nazis und die Gegendemonstranten ab, gesichert von bullig aussehenden Polizistinnen und Polizisten. Schutzausrüstung sorgt für breite Schultern, der Helm hängt griffbereit am Gürtel.

Fast schon gespenstisch wirken Unterführung und Bahnsteig. Auch dort stehen Polizisten in Schutzausrüstung und sichern alle Ausgänge. Die meisten Neo-Nazis, so weiß die Polizei, wollen mit dem Zug anreisen. Und tatsächlich, gegen 17.30 Uhr steigt eine Gruppe von etwa 40 bis 50 Neo-Nazis aus dem Cantus, der aus Richtung Kassel, Bebra und Bad Hersfeld in Hünfeld anhält. Die Glatzköpfe wirken verunsichert beim Anblick der vielen Polizisten, sammeln sich dann aber auf der südlichen Seite des Bahnhofs. Dort werden sie von den Organisatoren erwartet, die Fahnen, Fackeln und Getränke verteilen und die Umgebung mit Rechtsrock beschallen.

Weitaus lauter tönt das Pfeifkonzert von der anderen Seite des Bahnhofs, wo ein buntes Bündnis aus Parteien, Kirchenorganisationen, Gewerkschaften und Jugendorganisationen seinen Unmut über die Aktion der Rechten deutlich macht. Zu den Rednern des Aktionsbündnisses gegen Rechts gehören unter anderem Bürgermeister Dr. Eberhard Fennel (CDU), Bundestagsabgeordneter Michael Band (CDU), Landtagsabgeordnete Sabine Waschke (SPD), Pfarrer Stefan Remmert, DGB-Kreisvorsitzender Franz-Georg Brandt und Juliane Kühlmann vom Landessportbund Hessen.

Pünktlich um 18 Uhr setzt sich der Fackelzug der Jungen Nationaldemokraten in Bewegung. Gegen 20 Uhr endet der Spuk, als die letzten Neo-Nazis in den Zug steigen.

Ein offensichtlich Betrunkener, der weder dem rechten, noch dem linken Klientel zuzuordnen ist, zeigt den Einsatzkräften den Hitlergruß. Die finden das nicht komisch. Der Mann muss seine Personalien angeben.

Von Christine Zacharias

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