HZ-Interview mit dem SPD-Bürgermeister-Kandidaten für Bad Hersfeld Gunter Müller

Die Stadt ist gut aufgestellt

Die Hersfelder SPD und „ihr“ Kandidat Gunter Müller (4. v. li.): Dr. Rolf Göbel, Dr. Regina Schneider, die Lebensgefährtin von Müller, Ulrich Eckhardt, Dr. Lothar Seitz, Renate Hucke, Thorsten Warnecke und Bernd Wennemuth (von links nach rechts). Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. Lange wurde über mögliche Kandidaten spekuliert, jetzt aber steht fest: Der 49-jährige Rechtsanwalt Gunter Müller soll für die SPD als Bürgermeister in Bad Hersfeld kandidieren. Kai A. Struthoff sprach mit Gunter Müller über seine Kandidatur und Ziele.

Herr Müller, wissen Sie, was ein Dahergeloffener ist?

Gunter Müller: Nein, klingt negativ, irgendwie heimatlos.

So nennen die Herschfeller Leute wie Sie und mich, die von außerhalb kommen. Ist es für so jemand, der neu in einer Klein-stadt kommt, nicht sehr schwer, ohne Stallgeruch und Seilschaft Bürgermeister zu werden?

Müller: Bad Hersfeld ist ja keine Kleinstadt. Wegen der kulturellen und wirtschaftlichen Ausprägung ist die Stadt ein Mittelzentrum. Natürlich ist es immer gut, wenn man die Details und die politisch agierenden Personen kennt. Aber es ist auch von Vorteil, wenn man den Blick von außen hat. Das gilt vor allem für den Haushalt und die Lage der Wirtschaftsbetriebe. Zusammen mit einer sehr tatkräftigen SPD vor Ort werde ich schon die nötige Kompetenz erwerben.

Ihr Vater war Bürgermeister in Biedenkopf, Sie kennen daher diesen „Job ohne Feierabend“. Was reizt sie daran, die boomende Messestadt Leipzig gegen die hessische Provinz zu tauschen?

Müller: Boomende Messestadt? Leipzig hat auch seine Schwierigkeiten, die ich kennengelernt habe. Für mich ist es interessant, in einer Stadt wie Bad Hersfeld zu arbeiten, die schon viel auf den Weg gebracht hat. Es gilt Bestehendes zu sichern und Neues voran zu bringen. Und es ist reizvoll, jenseits des Parlaments Politik mitzugestalten.

Was wissen Sie bisher über Bad Hersfeld, und wo sehen Sie Schwerpunkte und Schwierigkeiten für einen Bürgermeister?

Müller: Schwerpunkt ist, haushalterisch dort weiter zu machen, wo Herr Boehmer und die SPD gut und erfolgreich gearbeitet haben. Es gilt auch 2011 und 2012 einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen, um trotzdem noch investieren zu können. Das wird sicher schwer, aber die Stadt ist gut aufgestellt.

Alle Städte und Gemeinden ächzen unter der Finanznot. Welchen Gestaltungsspielraum hat ein Bürgermeister noch?

Müller: Bad Hersfeld hat auf jeden Fall Gestaltungsspielraum. Natürlich muss die Finanzausstattung der Kommunen grundsätzlich verbessert werden. Dafür würde ich mich als Bürgermeister in allen Gremien auch überparteilich einsetzen.

Unser wichtigstes Bauvorhaben ist der Schilde-Park – ein Riesenprojekt, ist Ihnen davor nicht etwas bange?

Müller: Wenn man aus den neuen Bundesländern kommt, ist man größere Projekte gewöhnt. Ich kenne das aus Leipzig. Die Herangehensweise in Bad Hersfeld ist gut. Es ist gelungen, die Betriebe aus dem Herzen der Stadt zu verlagern und die Arbeitsplätze zu erhalten. Dazu gehört großer politischer Mut. Das, was ich bisher über das Schilde-Park-Projekt gelesen haben, lässt darauf schließen, dass hier sehr fachmännisch und vorausschauend gearbeitet wurde. Zur Finanzierung wurden auch andere ins Boot geholt. Bad Hersfeld ist damit auf einem guten Weg.

Bad Hersfeld ist zuallererst eine Festspielstadt. Welches Verhältnis haben Sie zu Kunst und Kultur?

Müller: Leipzig wird seit der Wende von SPD-Oberbürgermeistern geführt und dort haben wir es erreicht, dass bis zu zehn Prozent des Verwaltungshaushalts für Kultur ausgegeben wird. Das habe ich in Leipzig immer mitgetragen.

Sie finden es richtig, Hochkultur zu subventionieren, während sich Hartz-IV-Familien nicht mal den Eintritt ins Schwimmbad leisten können?

Müller: Kultur ist bei der Ansiedlung von Unternehmen ein wichtiger Standortfaktor. BMW und Porsche wären ohne das Kulturangebot sicher nicht nach Leipzig gekommen. Deshalb müssen auch diese Standortfaktoren vorangetrieben werden. Die Festspiele sind das Alleinstellungsmerkmal von Bad Hersfeld, und das Geld dafür ist gut angelegt.

Wie sieht Ihr persönlicher Fahrplan aus?

Müller: Ich werde mich jetzt erstmal der SPD-Parteiöffentlichkeit vorstellen, um die Parteimitglieder auch mitzunehmen, denn ohne die Basis geht es nicht. Später werde ich mir in der Stadt auch ein Quartier suchen, denn ich muss im Wahlkampf natürlich vor Ort präsent sein. † Zur person

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