Obdachlosen-Prozess: Angeklagte bedauern Tat

Staatsanwalt spricht von Gewaltorgie

Bad Hersfeld/Fulda. Im Prozess wegen des Mordes an einem Obdachlosen im Bad Hersfelder Bahnhof beantragten die Verteidiger eine geringere Strafe wegen Körperverletzung mit Todesfolge als die Staatsanwaltschaft, ohne ein konkretes Strafmaß zu nennen.

Am elften Verhandlungstag im Landgericht Fulda fasste Staatsanwalt Andreas Hellmich das Tatgeschehen am 11. Februar aus seiner Sicht noch einmal zusammen. In einer „Gewaltorgie“ hätten beide Angeklagten den Obdachlosen geprügelt und getreten und auch dann noch nicht aufgehört, als ihr Opfer regungslos am Boden lag. Die Behauptung Pierre S.s, der Obdachlose habe den Streit provoziert, sei nur eine Schutzbehauptung, sagt Hellmich. Das Opfer sei von allen Zeugen als friedliche, umgängliche Person beschrieben worden.

„Welle der Gewalt“

Möglicherweise hätten die Angeklagten ihr Opfer zu Beginn nur verprügeln und nicht töten wollen, räumte Hellmich ein. Doch während der Tat habe sich der Tötungsvorsatz entwickelt. Eine „grenzenlose Welle der Gewalt“ sei über den hilflos am Boden Liegenden hereingebrochen. Es gebe kein anderes nachvollziehbares Motiv, als dass sie ihre Lust an der Gewalt ausleben wollten.

Die Angeklagten hätten sich des gemeinschaftlichen Mordes schuldig gemacht. Weil sie aber mit mehr als drei Promille Alkohol im Blut vermindert schuldfähig gewesen seien, beantragte Hellmich keine lebenslange Haft. Er sprach sich außerdem für die Unterbringung der beiden Männer in einer Entziehungsanstalt aus. Im Fall einer erfolgreichen Entziehung könnten die Angeklagten nach der Hälfte der Haftstrafe wieder in Freiheit kommen.

Nebenklagevertreter Fritz Kramer, der den Vater des Obdachlosen vertrat, schloss sich dem Strafantrag des Staatsanwalts an. „Die Angeklagten waren von Vernichtungswillen beseelt. Hässlicher kann die Fratze der Gewalt nicht sein“, rief Kramer aus.

„Vermindert schuldfähig“

Verteidiger Jochen Kreissl schilderte seinen Mandanten Pierre S. als jungen Mann, der sehr wohl menschliche Regungen zeige. Mit drei Promille habe er schlicht nicht mehr gewusst, was er tue. Damit komme nur eine Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolge im Zustand verminderter Schuldfähigkeit in Betracht. Dabei möge die Kammer berücksichtigen, dass sein Mandant unter schwierigsten Umständen aufgewachsen sei.

Daniela Morbach, die Andrea B. vertrat, sagte, ihr Mandant sei nur ein Mitläufer gewesen. In keinem Fall habe er gewollt, dass ein Mensch stirbt. Morbach plädierte für eine Verurteilung wegen Beihilfe zur Körperverletzung mit Todesfolge in einem minderschweren Fall.

In ihrem letzten Wort drückten die Angeklagten ihr Bedauern über die Tat aus. „Es tut mir furchtbar leid, was passiert ist“, sagte der 22-Jährige. „Ich wollten mein Opfer nur verletzen“, versicherte der Mitangeklagte.

Von Volker Nies

Kommentare