Sicherheitsdienst soll Auftrag verloren haben

Amazon-Filmbericht: Staatsanwalt ermittelt gegen zwei Wachleute

Kirchheim/Bad Hersfeld. Ein Filmbericht über die Arbeitsbedingungen ausländischer Leiharbeiter des Internet-Versandhauses Amazon beschäftigt jetzt auch die Staatsanwaltschaft.

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Wie Harry Wilke, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Fulda auf Anfrage mitteilte, bestehe gegen zwei Mitarbeiter des Kasseler Unternehmens H.E.S.S-Security ein Anfangsverdacht auf Nötigung und Freiheitsberaubung. Laut Filmbericht sollen die Wachleute das ARD-Kamerateam im Seeparkhotel Kirchheim festgehalten und die Herausgabe von Filmmaterial gefordert haben. Eventuell müssten die Ermittlungen auch auf einen Hotelangestellten ausgeweitet werden, so Wilke. „Bis jetzt kennen wir aber nur die Variante der Reporter“, führt Wilke weiter aus.

Aktualisiert um 18:45 Uhr.

Laut Pressemitteilung der in die Kritik geratenen Sicherheitsfirma hätten sich die Journalisten in ihrem Zimmer eingeschlossen, nachdem ihnen vom Hotel Hausverbot erteilt worden war.

Von strafrechtlich relevantem Verhalten der Wachdienst-Mitarbeiter im Zusammenhang mit Rechtsextremismus oder von Übergriffen auf Amazon-Leiharbeiter sei nichts bekannt, sagt Wilke. Auch Meldungen, dass vor Einsatz des Sicherheitsdienstes zu Vandalismus, Diebstählen und sogar einer Vergewaltigung gekommen sei, bestätigte Wilke nicht.

Amazon hat mittlerweile nach eigenen Angaben veranlasst, dass die Zusammenarbeit mit dem kritisierten Sicherheitsdienst mit sofortiger Wirkung beendet wird. Es gelte eine Null-Toleranz-Grenze für Diskriminierung und Einschüchterung. „Wir erwarten das gleiche von allen Unternehmen, mit denen wir arbeiten“, heißt es weiter. In der vergangenen Woche hatte Amazon betont, nicht der Auftraggeber zu sein. Die Leipziger Firma Co-Co-Job-Touristic, von der die Wachleute engagiert worden sein sollen, wollte sich auch gestern nicht äußern.

Der Kritik an der Unterbringung von Amazon-Leiharbeitern im Seepark in Kirchheim widerspricht dessen Geschäftsführer Andreas Engelhoven entschieden. Auch dass die ARD-Reporter dort festgehalten worden seien, stimme nicht. Diese hätten sich mit falschen Namen im Hotel angemeldet und dort unberechtigt heimlich gefilmt. Die Polizei sei dann vom Hotel gerufen worden. Der von extern engagierte Sicherheitsdienst habe auch nicht unberechtigt Zimmer aufgesucht. Engelhoven räumt allerdings ein, dass dessen sehr präsente Mitarbeiter sich weniger unauffällig verhalten hätten als die anderer Securitydienste zuvor. Eine rechte Gesinnung sei jedoch nicht erkennbar gewesen. Für den Ferienpark befürchtet der Geschäftsführer nun einen erheblichen Imageschaden. (jce/nm)

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