Verteidiger will Bewährung: Plädoyers vor Landgericht Fulda in Missbrauchsprozess

Staatsanwältin fordert Haft

Fulda. Drei Jahre Haft und sofortiger Haftbefehl oder eine Bewährungsstrafe und weiter auf freiem Fuß - die Strafanträge von Staatsanwaltschaft und Verteidigung unterschieden sich gestern enorm. Ein 25-Jähriger aus Philippsthal steht vor dem Landgericht Fulda, weil er von 2005 bis 2011 eine Vielzahl junger Mädchen sexuell missbraucht haben soll.

Für Staatsanwältin Heike Meeuw-Wilken war der Fall klar: Der Angeklagte habe seine damalige Freundin einmal durch Fesseln und einmal durch Messer beim Sex bedroht. Das sei zwar keine Vergewaltigung, weil das Paar oft gewaltsamen Sex praktiziert habe. Der damals 22 Jahre alte Angeklagte habe die Unmündigkeit und fehlende Selbstbestimmungsfähigkeit seiner 14 Jahre alten Freundin ausgenutzt.

Um Vergewaltigung habe es sich aber gehandelt, als der Mann eine 15 Jahre alte Bekannte im Auto zum Sex gezwungen habe. Einmal habe er eine Zehnjährige in einer Wohnung am Arm festgehalten und sie zum Sex aufgefordert, ein anderes Mal habe eine 13-Jährige über Wochen mit täglich 20 bis 20 SMS belästigt und sie bei einer Schneeballschlacht an Brust und Po angefasst. Meeuw-Wilken sagte, bei dem Angeklagten sei die Wiederholungsgefahr so groß, dass er inhaftiert werden müsse. In ihrem Strafantrag forderte sie drei Jahre Haft und die Unterbringung des Angeklagten in ein psychiatrisches Krankenhaus, wobei die Therapiezeit auf die Haftzeit angerechnet wird.

Zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidiger Christian Kusche unumstritten war, dass der junge Mann mit einer 13-Jährigen Sex hatte, was trotz ihrer Zustimmung verboten ist. Ebenso eingeräumt wurde von der Verteidigung, dass der Angeklagte in elf Fällen Minderjährige über Social Media wie Wer-kennt-wen kontaktierte und sie aufforderte, gegen Bezahlung mit ihm Sex zu haben. Unumstritten war auch, dass der 25-Jährige wegen einer seelischen Störung, einer Triebanomalie, vermindert schuldfähig ist und bei ihm Jugendrecht anzuwenden ist.

Kusche sagte, die Vergewaltigung im Auto könne unmöglich so stattgefunden habe, wie sie das Opfer beschrieb. Sein Mandant habe nie etwas gegen den Willen von Mädchen getan. In seinem Bekanntenkreis habe es allerdings eine Spirale von Gerüchten gegeben, die ihn als Vergewaltiger darstellten. Diese habe dazu geführt, dass dem Angeklagten alle möglichen Taten unterstellt worden seien. Zu der Freundin, die er mit Fesseln und Messern bedrängt habe, habe ein echtes Liebesverhältnis bestanden. Er habe sie nicht ausgenutzt.

Kusche beantragte eine Jugendstrafe zur Bewährung, ohne einen konkreten Antrag zu stellen. Der Angeklagte sagte in seinem Schlusswort, er wisse, dass er eine Therapie brauche. Die Taten täten ihm leid. Das Urteil wird in der nächsten Woche gesprochen.

Von Volker Nies

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