250 Dinge, die wir hier mögen (100): Das Judaica-Museum in Schenklengsfeld

Spuren der Vergangenheit

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Rarität: Der Judenstern (vorn Mitte) ist ein seltenes Exemplar im Fundus des Judaica-Museums. Das Erkennungszeichen trug eine jüdische Gefangene bis zur ihrer Befreiung aus dem KZ.

Schenklengsfeld. Regional einzigartig erinnert in Schenklengsfeld das Judaica- Museum an die bis zur Nazidiktatur hier lebende Bevölkerungsgruppe, die sich zur jüdischen Religion bekannte. Entstehung und Aufbau der Gedenkstätte ist wesentlich Karl Honikel und seinen Mitstreitern vom „Förderkreis Jüdisches Lehrerhaus“ zu verdanken.

Anknüpfungspunkte zur jüdischen Kultur ergaben sich für Honikel zu Beginn der 1980er Jahre durch den Besuch des ehemaligen Schenklengsfelders Hans Löwenberg, der damals in San Francisco lebte, aber hin und wieder seinen früheren Heimatort besuchte. Des Weiteren formierte sich eine Gruppe Interessierter für die Aufarbeitung der jüdischen Kultur in Schenklengsfeld, zu der neben Honikel auch die beiden Pfarrer Preiß und Käberich gehörten.

Geraume Zeit danach wurde das ehemalige jüdische Lehrerwohnhaus und später leerstehende katholische Pfarrhaus zum Standort für ein Museum auserkoren. Die Gründung des Förderkreises im Jahr 1994 stellte das Projekt auf eine sichere Basis. Ein Nutzungskonzept brachte Geld in die Kasse, sodass nach der Sanierung 1998 im oberen Stockwerk zwei Wohnungen vermietet werden konnten. Im Paterregeschoss zog wenig später das Museum ein.

Kernstück ist ein Raum mit Glasvitrinen, in denen unter anderem Kultgegenstände zur jüdischen Religionsausübung aufbewahrt werden. Eine weitere Vitrine zeigt Fotos, Reisepässe, Zeugnisse und andere Dokumente von ehemals in Schenklengsfeld lebenden Familien, deren Vorfahren noch auf dem eigenen Friedhof begraben wurden. Ausführlich widmet sich die Sammlung der Zeit von 1933 bis zum Ende des 2. Weltkriegs und hat das seltene Exemplar eines noch gut erhaltenen Judensterns vorzuweisen. Dieses Erkennungsabzeichen trug die 1995 fast 100-jährig in New York verstorbene Martha Katzenstein bis zur ihrer Befreiung aus dem KZ-Theresienstadt am 8. Mai 1945.

Ganz besonders stolz ist Karl Honikel jedoch auf einen original Matzenkorb aus dem Jahr 1900. Dieser Behälter von der Größe einer Hutschachtel hat die Abenteuer der Flucht in die USA sowie die weitere Verwendung gut überstanden und wurde aus dem Nachlass von Lydia Katz dem Museum in Schenklengsfeld gespendet.

Außer der Exponatensammlung gibt es noch eine umfangreiche Fachbibliothek. Hier findet sich auch das Buch, in dem Honikel und andere Autoren Informationen zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Schenklengsfeld veröffentlicht haben. Ein Besuch des Museums ist zuvor über die Rufnummer 06629/7736 abzusprechen. Mehr darüber ist auch unter www.schenklengsfeld.de im Internet zu finden.

Von Hans-Heinrich Hartmann

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