Emel Ünal wuchs als Kind türkischer Einwanderer in Bad Hersfeld auf

Die Sprache als Schlüssel

Emel Ünal (links) mit ihrer Schwester Selma und ihrer Tochter Gülnida. Für Selma ist Emel mit ihrer weltoffenen Art ein Vorbild. Foto: Selzer

Bad Hersfeld. Sie fand es bereits als Kind faszinierend, in fürsorgliche Rollen zu schlüpfen. Arzt und Krankenschwester waren lange ihre Traumberufe, jetzt arbeitet sie im Kindergarten in der Sprachförderung. Sie findet es wichtig, sich Zeit für die Kinder zu nehmen, um ihnen möglichst viel mit auf den Lebensweg zu geben.

Emel Ünal ist in Bad Hersfeld als Kind türkischer Einwanderer geboren, Muslimin und deutsche Staatsbürgerin.

Kopftuch in der Grundschule

Zwar waren ihre Eltern beide berufstätig und hatten nicht viel Zeit, sich mit ihren Kindern zu beschäftigen, doch war auch die Oma im Haus, um sich zu kümmern.

„Die türkische Gemeinschaft ist wie ein kleines Dorf in der Stadt“, erzählt sie von ihrer Kindheit, die sie als behütet empfand. So kam es, dass sie bereits in der Grundschule anfing, das Kopftuch zu tragen. Lange bevor sie sich mit Religion beschäftigte, war es für sie einfach ein Symbol dafür, dazuzugehören. „Es gab keinen Zwang, der mich dazu trieb, eher einen Drang von innen heraus“, berichtet Emel. „Doch war ich mir als Achtjährige der Bedeutung noch nicht bewusst.“

Erst viel später wurde eine Entscheidung für den Islam daraus. Ihrer eigenen Tochter Gülnida, die heute zwei Jahre alt ist, möchte sie vermitteln, dass eine bewusste Entscheidung damit verbunden sein sollte, dass es nicht nur um ein Kleidungsstück, eine Mode geht. „Deshalb möchte ich, dass sie wartet, bis sie dazu selbst eine Entscheidung treffen kann.“

Von Eltern vorgestellt

Auf traditionelle Weise lernte die selbstbewusste junge Frau ihren Mann kennen: Über die Vermittlung der Eltern heiratete sie den Sohn einer befreundeten Familie, beide haben es nicht bereut. „Zwar wurden wir von unseren Eltern einander vorgestellt, aber die Entscheidung lag bei uns selbst“, sagt sie.

Nach einem einjährigen Praktikum entschied Emel Ünal sich mit 17 für die Erzieherinnen-Ausbildung. Erziehung auch in der Familie ist für sie eine wichtige Aufgabe, zu der sie andere Mütter ermutigt, wo sie nur kann. „Erziehung fängt mit der Partnerwahl an!“

Zuneigung nicht zeigen

Traditionell sei es besonders bei den anatolischen Türken nicht üblich, in der Öffentlichkeit seine Zuneigung zu den eigenen Kindern zu zeigen. Mit dem Besuch von Krabbelgruppen und indem sie Gülnida oft mitnimmt, möchte Emel die alten Verhaltensmuster aufbrechen und gleichzeitig ihrem Kind viele Eindrücke bieten.

Es gebe Fünfjährige, die nicht wüssten, wie man ein Buch aufklappt, denen noch nie jemand vorgelesen habe. „Wie sollen diese Kinder richtig sprechen lernen?“ Auch in vielen deutschen Familien könne man das beobachten. In Migrantenfamilien verschärft sich das Sprachproblem noch: Wer seine Muttersprache nicht richtig beherrscht, kann erst recht keine zweite Sprache korrekt erlernen.

Nicht zu früh zweisprachig

„Man hat festgestellt, dass die zu frühe Vermischung der Sprachen dazu führt, dass man sich in keiner mehr richtig ausdrücken kann“, erklärt Emel.

Die Angst, nicht als integriert zu gelten, führe bei manchen Eltern dazu, dass sie ihre Kinder zu früh mit beiden Sprachen konfrontieren. „Hier wünsche ich mir auch Verständnis von den Deutschen: Es ist eine beachtenswerte Leistung, ein Kind zweisprachig so zu erziehen, dass es beide Sprachen gut beherrscht.“ Drei Fragen

Von Martina Selzer

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