50 Jahre Arbeitsmigration - Film und Diskussion mit dem Ausländerbeirat

Die Sprache ist der Schlüssel

Aysegül Tas-Dogan (Mitte) entdeckte in dem gezeigten Film viele Parallelen zu ihrem eigenen Familienleben. Sahin Cenik (rechts) ermuntert als Vorsitzender des Ausländerbeirats zum Dialog. Foto: Schmidl

Bad Hersfeld. Vor mehr als 50 Jahren kamen die ersten Gastarbeiter nach Deutschland. Die Wirtschaft boomte und verlangte nach preiswerten Arbeitskräften. 1961 wurde außerdem ein Anwerbeabkommen mit der Türkei geschlossen. Das war 50 Jahre später für den Ausländerbeirat der Kreisstadt Bad Hersfeld ein willkommener Anlass, zu einem gemeinsamen Kinobesuch im Kinocenter Bad Hersfeld und einer sich anschließenden Diskussionsrunde in den Räumen der Arbeiterwohlfahrt einzuladen.

Gezeigt wurde der vielfach ausgezeichnete Film „Almanya – Willkommen in Deutschland“, der die Frage der Heimat und Identität türkischer Gastarbeiter in Deutschland über mehrere Generationen hinweg thematisiert. Die wohldosierte Mixtur aus Komödie und Tragödie begeisterte die vielen Besucher, die mit einem lachenden und einem weinenden Auge das Kino verließen, um sich in großer Runde über das Verhältnis zwischen Deutschen und Migranten auszutauschen. Alle Anwesenden waren sich einig, dass es seitens der Politik in Bund, Ländern und Gemeinden sowie in öffentlichen Diskussionen viel zu lange versäumt wurde, sich begleitend und vorausplanend um Integrationsförderung zu bemühen.

Die pensionierte Studienleiterin Monika Schmidt bedauert: „Kinder mit Migrationshintergrund haben noch immer schlechtere Chancen“.

„Nur zwei Prozent der Migrantenkinder im Landkreis Hersfeld-Rotenburg beenden ihre Schullaufbahn mit Abitur oder Fachabitur. Das ist zu wenig“, ergänzt Sahin Cenik als Vorsitzender des Beirats.

Zu den jungen Migranten, die nach dem Abitur erfolgreich ein Studium abgeschlossen haben, gehören mehrere Familienmitglieder von Yalkin Solak, Vorsitzender der Türkisch-Islamischen Gemeinde in Bad Hersfeld. Auf eine erfolgreiche Schul- und Berufslaufbahn verwies eine Teilnehmerin, obwohl ihre Mutter der deutschen Sprache nicht mächtig war.

Bildung für die Kinder und Enkelkinder der Migranten und Sprache als wichtiger Schlüssel für die gesamtgesellschaftliche Integration wurden damit zum Hauptthema der Diskussion, die von Aysegül Tas-Dogan moderiert wurde.

Die Diskussion über das Verhältnis zwischen Deutschen und Migranten kam leider zu kurz. Einen Einblick in die deutsche Wirklichkeit von damals und heute und das Leben der Migranten zwischen zwei Welten gewährte den Besuchern eine interessante Ausstellung.

Wir kennen uns kaum

„Wir kennen uns zu wenig“, bedauert Sahin Cenik und wünscht sich, dass Deutsche und Migranten mehr miteinander reden. Dazu will auch der Ausländerbeirat mit weiteren Veranstaltungen beitragen.

Kontakt: Ausländerbeirat der Kreisstadt Bad HersfeldTelefon: 06621/201352, E-Mail: ausländerbeirat@bad-hersfeld.de

Von Gudrun Schmidl

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