Montagsinterview mit Stephanie Geitner, Dudenverlag, über das Erbe Konrad Dudens

Sprache neu entdecken

Stephanie Geitner, Leiterin Marketing und PR, Verlagsbereich Wörterbuch und Sachbuch beim Bibliographischen Institut. Foto: zac

Bad Hersfeld. Die Arbeiten an der Wissens- und Erlebniswelt für Sprache und Kommunikation „wortreich“ in Bad Hersfeld gehen zügig voran. In der Mitmachausstellung werden die Besucher an die unterschiedlichsten Facetten von Sprache und Kommunikation herangeführt: Aufbau der Sprache, Rhetorik, Dialekte, Poesie, Märchen, Fremdsprachen, Grundlagen der Kommunikation, Zeichensprache.

Die Sprache der Künste, die Sprache von Tieren oder Sprache und Technik werden Themen sein. Wichtiger Kooperationspartner des „wortreichs“ ist der Verlag Bibliographisches Institut in Mannheim, der unter anderem den Duden herausgibt. Wir sprachen mit Stephanie Geitner, Leiterin Marketing und PR im Verlagsbereich Wörterbuch und Sachbuch, über die Hintergründe.

Frau Geitner, wie sieht das Engagement Ihres Verlages im „wortreich“ aus?

Stephanie Geitner: Wir unterstützen „wortreich“ vor allem inhaltlich, aber auch finanziell. Wichtig ist für uns, in der Erlebniswelt den kreativen Umgang mit Sprache zu fördern. Das liegt uns bei Duden sehr am Herzen. Wenn Sie zum Beispiel mithilfe eines Exponats entdecken, welche sprachliche Geschichte hinter Ihrem Vornamen steckt, dann kann das schon sehr faszinierend sein.

Neben den Exponaten unterstützen wir auch in den Lernstudios. Hier wird es verschiedene Workshops zum Thema Sprache geben, in denen mit unseren Materialien gearbeitet wird. Unsere Kinderbücher, Lernhilfen und Nachschlagewerke werden zum Einsatz kommen, aber auch die Duden-Rechtschreibprüfung wird auf allen Rechnern installiert sein, sodass man beim Schreiben schon Duden-korrigiert wird.

Welchen Umfang hat dieses Engagement? Ist es dauerhaft oder nur einmalig, als Starthilfe sozusagen?

Geitner: Wir sehen unser Engagement als dauerhafte Unterstützung, weil wir es sehr schön finden, dass im „wortreich“ die Gedanken von Konrad Duden weitergetragen werden, und das auf sehr kreative Art und Weise . Das ist uns als Dudenverlag wichtig.

Was verspricht sich Ihr Verlag davon?

Geitner: Für uns ist wichtig, dass man sieht, dass man mit Sprache kreativ umgehen kann. In vielen Erlebniswelten kann man die Naturwissenschaft auf sehr interessante Art und Weise entdecken, und genau das wünschen wir uns hier für die Sprache. Dass viele Menschen einen Zugang zur Sprache finden und sagen: „Ja, da steckt so viel dahinter. Das macht Spaß“ - diesen Ansatz möchten wir fördern.

Welche Bedeutung hat das Engagement für Konrad Duden in Bad Hersfeld für Ihren Verlag?

Geitner: Wir tragen das Erbe von Konrad Duden weiter. Konrad Duden hat hier gewirkt, gearbeitet und gelebt. Für uns sind die Gedanken, die Konrad Duden bewegt haben, immer weiter wichtig. Ohne ihn, ohne seine grandiose Idee, ein Wörterbuch zu entwickeln, würde es heute den Duden in seiner Vielfalt gar nicht geben.

Wenn man die neuesten Rechtschreibreformen ansieht, dann hat man ja das Gefühl, dass das Erbe Konrad Dudens etwas in Vergessenheit geraten ist. Statt einer einheitlichen Rechtschreibung für den ganzen deutschen Sprachraum kann jetzt wieder jeder so schreiben, wie er gerne möchte. Wie sieht man das im Dudenverlag?

Geitner: Wir geben von Duden ganz konkrete Empfehlungen. Die haben wir in all unseren Nachschlagewerken. Das heißt, wenn zwei Varianten erlaubt sind, wie ich ein Wort schreiben kann, dann geben wir von Duden immer eine klare Empfehlung. Die ist gelb hinterlegt.

Wie reagieren Sie auf den zunehmenden Trend zur Onlinerecherche? Noch ist der Duden ja ein Bestseller, wird das so bleiben?

Geitner: Wir gehen von der parallelen Nutzung zwischen Print- und Onlinewerken aus. Wir sind seit Mai mit dem Duden online. Auf www.duden.de können Sie online recherchieren, wie ein Wort geschrieben wird und in welchen Zusammenhängen es gebraucht wird. Wir merken, dass wir mit diesem Onlineangebot ein Bedürfnis befriedigen, vor allem bei jungen Menschen, die Fragen zur Rechtschreibung im Internet beantwortet haben möchten. Wir sehen aber auch, dass es gleichzeitig eine Nutzung für unsere Printwerke gibt. Zum Beispiel dann, wenn ich auf dem Sofa sitze, in der Zeitung lese und nicht weiß, welche Bedeutung ein Wort hat. Dann ist der Griff zum Buch, zum Duden, naheliegend. Wir gehen davon aus, dass beides parallel genutzt wird.

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