HZ-Montagsinterview mit Markus Gertken, dem „Tell“-Darsteller der Festspiele 2010

An der Sprache arbeiten

Markus Gertken, der „Tell“ der Festspiele 2010, ist derzeit am Renaissance-Theater in Berlin in der Weihnachtskomödie „Schöne Bescherungen“ an der Seite von David Bennent, Julia Stemberger, Hersfeldpreisträger Guntbert Warns und anderen zu sehen. Foto: Schönholtz

berlin. Bei den Festspielen 2009 war er der Odysseus, im nächsten Jahr wird er als Tell in Schillers Freiheitsdrama auf der Bühne der Stiftsruine stehen: Markus Gertken (43), Schauspieler aus Berlin, kommt 2010 zum dritten Mal nach Bad Hersfeld und ist einer von wenigen aus der Zeit der Intendanz von Elke Hesse, die auch von ihrem Nachfolger Holk Freytag verpflichtet wurden. HZ-Redakteur Karl Schönholtz sprach mit Markus Gertken in Berlin.

Hallo, Herr Gertken, ich habe Ihnen mal eine HZ mitgebracht, denn Bad Hersfeld scheint ja Ihr zweites Zuhause zu werden...

Markus Gertken: Ja, stimmt. Ich habe mich sehr gefreut über den Anruf von Herrn Freytag. Ich hatte natürlich gar nicht damit gerechnet. Ich bin davon ausgegangen, dass man – so wie es üblich ist – beim Intendantenwechsel tabula rasa macht. Ich war so auf meinem letzten Weg mit dem Fahrrrad nach Gut Oberrode, hatte mich eigentlich schon von den Bäumen und so weiter verabschiedet und war auch ein bisschen wehmütig darüber. Da klingelte das Telefon.

Sie haben mit Ihrer Familie auf Gut Oberrode gewohnt. Dort gibt es jetzt einen Kinder-Erlebnispfad. Das wär’ doch auch für nächstes Jahr etwas...

Gertken: Ich weiß nicht, ob das klappt, weil unsere Wohnung schon vermietet ist. Aber ich freue mich, bald wieder in der Ruine zu sein, aber auch die alten Wege, die man dann so kennt, wieder zu sehen. Das Freibad, den Hersfeldchor, die Schlachterei, wo ich mittags esse, die Kinderbetreuung in Bad Hersfeld, also ich habe mich gefreut.

Hatten Sie Holk Freytag während der Festspiele 2009 schon kennen gelernt?

Gertken: Nein, wir hatten diesmal überhaupt keinen Kontakt. Nur früher schon einmal, aber das ist viele Jahre her. Er hat mir jetzt erzählt, dass er bei der Festspielaufführung von „Ronja Räubertochter“ neben mir gesessen hat. Das habe ich aber gar nicht gemerkt, weil ich in den Kinderstücken immer so gerührt bin, dass ich rechts und links gar nichts gesehen habe.

Er muss Sie aber auch auf der Bühne gesehen und entsprechend wahrgenommen haben.

Gertken: Ich weiß, dass er vor zwei Jahren in der Premiere der „Jungfrau von Orleans“ war. Und in der „Odyssee“ muss er jetzt auch gewesen sein.

Nach dem Odysseus werden Sie mit Tell zum zweiten Mal im Mittelpunkt der Premiere zur Festspieleröffnung stehen. Bedeutet Ihnen das etwas?

Gertken: Es ist mir schon bewusst, dass der „Tell“ die erste Inszenierung des neuen Intendanten sein wird. Deswegen habe ich mich auch sehr über das Vertrauen gefreut, an diesem Tag mit der Titelrolle besetzt zu sein. Klar ist das etwas Besonderes. Letztendlich, wenn ich dann auf der Bühne bin, ist es eine Aufführung wie jede andere auch. Dann spielt das keine Rolle mehr.

Wissen Sie schon, wie der Hersfelder „Wilhelm Tell“ werden wird? Haben Sie darüber mit Holk Freytag gesprochen?

Gertken: Also, Holk Freytag hat mir ein Konzeptpapier zugeschickt, in dem steht, in welche Richtung er gehen möchte. Das fand ich ganz gut, weil man dann beim Lesen schon fokussiert. Wir haben verabredet, uns demnächst in Berlin zu treffen und über den Tell zu sprechen.

Holk Freytag hat gesagt, er wolle bei den Festspielen dem Schauspiel und der Sprache wieder mehr Raum und Bedeutung geben. Was sagen Sie dazu?

Gertken: Hersfeld ist ein Ort, wo man an der Sprache extrem arbeiten muss. Das finde ich für mich als große Herausforderung. Ich habe auf der Schauspielschule noch sehr technisch sprechen gelernt bei einer sehr alten Sprechlehrerin. Ich glaube im Nachhinhein, das hat mir sehr geholfen, Inhalt zu transportieren unter diesen Bedingungen.

Sie leben nicht nur in Berlin, zurzeit arbeiten Sie auch hier. Was genau?

Gertken: Im Augenblick spiele ich in „Schöne Bescherungen“ am Renaissance-Theater, dem traditionellen Weihnachtsklassiker von Alan Ayckbourn. An der Schaubühne spiele ich auch noch im „Sommernachtstraum“, den hat Thomas Ostermeier gemacht. Dann habe ich mir eine Auszeit genommen, weil meine Frau nach Stuttgart muss, um an der Kammeroper zu singen. Wir passen immer alternierend auf die Kinder auf, also muss einer zuhause sein, um die schulischen Leistungen zu kontrollieren.

„Schöne Bescherungen“ und „Sommernachtstraum“ mit Markus Gertken – lohnt es sich für die Hersfelder, nach Berlin zu kommen?

Gertken: Ja, absolut.

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