Bei der Sanierung des Hessen-Stadions hat die Stadt Millionen verschenkt

Sportliche Ernüchterung beim Hessen-Stadion

Kein Grund zum Lachen: Der Stadtverordneten-Ausschuss für Soziales und Sport informierte sich über den beklagenswerten Zustand des Hessen-Stadions Oberau. Vorne rechts Bürgermeister Thomas Fehling, mit der Mappe Bauamtschef Johannes van Horrick, hinten rechts im blauen Hemd Ausschussvorsitzender Daniel Fasshauer und links neben ihm Bernd Bürger, stellvertretender Vorsitzender der SG Hessen Hersfeld. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Duschen und Umkleiden mit dem Ambiente der 80er Jahre, Wasserschäden in der Küche und Asbest auf dem Dach – das sind nur einige nur einige Probleme, die eine Sanierung des Funktionsgebäudes am Hessen-Stadion „Oberau“ in Bad Hersfeld dringend erforderlich machen. Von der katastrophalen Energiebilanz des 35 Jahre alten Gebäudes ganz zu schweigen.

Vom beklagenswerten Zustand des Vereinsheims und der Sportfelder auf dem 17 000 Quadratmeter großen Gelände überzeugte sich jetzt der Ausschuss für Sport und Soziales der Stadtverordnetenversammlung und bekam auch gleich eine Erneuerungsvorschläge samt seriöser Kostenschätzungen auf den Tisch gelegt.

Die umfangreiche Ausarbeitung des Kirchheimer Architekturbüros Stiebing sorgte für Ernüchterung, denn schon die Sanierung des Bestands wird brutto gut 1,8 Millionen Euro verschlingen. Der Ausbau zum Fußball-Leistungszentrum oder zu einer Leichathletik-Anlage mit einer Rundbahn käme auf vier bis fünf Millionen.

Schon bei der „Spar-Version“ mit einer Drittelfinanzierung zwischen Stadt, Land und den beteiligten Vereinen wären Letztere überfordert.

Dass die Stadtverordneten in ihrer jüngsten Sitzung das noch weiter greifende Konzept eines Lullus-Sportparks mit einer Förderquote von 50 Prozent durch das Land abgelehnt hatten (unsere Zeitung berichtete), sorgte bei einigen Ausschussmitgliedern auch noch im Nachhinein für Unverständnis. Bernd Böhle (FDP) kritisierte, dass sich der Ausschuss zu spät mit dem Zustand des Hessen-Stadions beschäftigt hätte.

Zudem offenbarten Parlamentarier von SPD und Grünen erhebliche Informationsdefizite, weil ihnen weder die Anbindung des Skiclubs Neuenstein an Bad Hersfeld noch die erfolgreiche Arbeit des Junioren Fördervereins mit seinen 225 kickenden Jugendlichen ein Begriff waren.

Die Zusammenarbeit der Vereine, Barrierefreiheit und die Öffnung der Sportanlagen für den Breitensport war aber die Idee hinter dem Sportpark und Bedingung für eine Landesförderung als „herausragende Sportstätte“.

Gegner des Masterplanes hatten jedoch argumentiert, dass hier vor allem einem Verein geholfen werde – der SG Hessen Hersfeld mit ihrem Stadion an der Oberau.

Bürgermeister Thomas Fehling rechnete jedoch vor, dass durch das mehrheitliche „Nein“ der Stadtverordneten etwa zweieinhalb Millionen Euro verschenkt worden seien. Denn die Stadt steht hier nach wie vor in der Pflicht: sie ist Eigentümer der Anlage.

SPD und Grüne hatten jedoch angekündigt, ein eigenes Konzept für die „Sportstadt Bad Hersfeld“ vorlegen zu wollen, „ganzheitlich und für alle Vereine“, wie Fraktionsvorsitzender Thomas Hahn betonte. Das steht am 8. Juli auf der Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung – als schlichter Antrag, dass der Magistrat ein solches Konzept erarbeiten möge.

Von Karl Schönholtz

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