Dringender Handlungsbedarf bei Sicherung des Bad Hersfelder Stadtarchivs

Nur die Spitze des Eisbergs

Zu eng und zu feucht: Das Bad Hersfelder Stadtarchiv, hier bei einer Besichtigung durch den Ausschuss für Kultur und Bildung mit Archivar Johannes van Horrick (vorne). Foto: HZ-Archiv

Bad Hersfeld. Das, was die Fachfrau Jutta Eckhardt über die Zustände im Bad Hersfelder Stadtarchiv zu berichten hatte, war schon schlimm genug. Doch Bürgermeister Thomas Fehling setzte vor den Stadtverordneten im Ausschuss für Kultur und Bildung noch eins obendrauf: Die Untersuchungsergebnisse der von der Stadt beauftragten Wirtschaftsarchivarin seien „nur die Spitze des Eisbergs“.

Sichtung und Sicherung der Bestände und ständig hinzukommender Unterlagen bezeichnete Fehling als „Mammutaufgabe“, denn alleine mit den Entscheidungen, was zu archivieren oder was zu vernichten ist, sei eine Arbeitskraft erst einmal anderthalb Jahre beschäftigt.

Jutta Eckhardt hatte zunächst einmal den beklagenswerten Ist-Zustand skizziert. Denn das im Keller der Konrad-Duden-Stadtbibliothek beheimatete Louis-Demme-Stadtarchiv ist viel zu eng und nicht klimatisiert. So sind die Räume immer wieder durch zu hohe Luftfeuchtigkeit belastet, weil hier auch die Arbeitsplätze von Archivaren und Benutzern eingerichtet sind. „Dann ist es wieder zu warm und zu trocken, mit der Folge, dass das Papier zerbröselt“, merkte Eckhardt an.

Die Marburger Archivarin hatte zudem ein Verzeichnis aller Orte erstellt, an denen in Bad Hersfeld städtisches Archivmaterial gelagert wird. Mancherorts ist es zu feucht, und dort, wo das Klima stimmt, ist es so eng, dass schon bei der Herausnahme von Akten anderes Material beschädigt wird.

Als kurzfristige Maßnahme empfahl sie die Trennung von Magazin und Arbeitsplätzen sowie die strikte Order, erst einmal nichts wegzuwerfern. Mittelfristig müsste das Material fachkundig sortiert werden, um es entweder aufzuheben oder zu vernichten. Und am langen Ende komme die Stadt wohl nicht um einen Neubau für ihr Archiv herum.

Stadtarchivar Johannes van Horrick kündigte ein Konzept an, das bis zur Aufstellung des Haushalts 2016 im Herbst erste Schritte beinhalten soll.

Bürgermeister Fehling schwebt angesichts der „unglaublichen Papierlogistik“ in der Verwaltung nicht nur eine weitere Digitalisierung der Akten, sondern im besten Falle Lösung für das Archiv vor, die den gesamten Landkreis einschließen könnte. Fehlings Ansatz: „Im Grunde haben alle dasselbe Problem.“

Von Karl Schönholtz

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