Ex-Partner aus Bebra und Heringen wegen Betrugs zu Geldstrafen verurteilt

Nur die Spitze des Eisbergs

Bad Hersfeld. Die fünf Anklagepunkte, die Staatsanwalt Harry Wilke im Betrugsverfahren gegen ein ehemaliges Pärchen aus Bebra und Heringen vorlas, waren lediglich die Spitze des Eisbergs. Er habe sich auf die zweifelsfrei beweisbaren Vorwürfe beschränkt, sagte Wilke, sodass ein Großteil dessen, was den Angeklagten ebenfalls hätte zugeschrieben werden können, letztlich unter den Tisch gefallen sei.

Bestellt und nicht bezahlt

So gab es vor Strafrichterin Silvia Reidt denn auch kein langes Herumreden: Dreimal hatte ein 33-jähriger Dachdecker bei einem Versandhaus Waren bestellt und nicht bezahlt. Dafür hatte er eigens unter dem Namen seines ahnungslosen Vaters ein Kundenkonto eingerichtet. Zwei Handys im Gesamtwert von fast 400 Euro und ein Fernsehgerät für rund 650 Euro wurden auf diese Weise erschlichen.

Seine damalige Lebensgefährtin, eine 35 Jahre alte Hausfrau und Mutter, bestellte auf den Namen ihres Sohnes, um das bereits gegen sie laufende Insolvenzverfahren zu umgehen. Der Hartz IV-Empfängerin ging es allerdings nicht um den Konsum, sondern um die dringend notwendige Waschmaschine, nachdem zuvor zwei gebrauchte Geräte den Geist aufgegeben hatten und Kredit für ein neues nicht zu bekommen war.

Kein Einzelfall

Weil sie die Lieferung der 350 Euro teuren Maschine mit dem Namen des Sohnes quittierte, kam zum Betrug noch eine Urkundenfälschung hinzu. Tat und Vorgehensweise seien kein Einzelfall, wusste Staatsanwalt Wilke weiter. „Da wird mal ein Name ausgewechselt oder beim Geburtsdatum eine Zahl verändert und munter weitergemacht. Es hat auch schon mal einer auf seinen Hund bestellt.“

Dass es zwischen den beiden Angeklagten in diesem Fall über die Taten böses Blut gegeben haben sollte, war wohl bei den Ermittlungen Thema, nicht aber mehr im Gerichtssaal. Beide waren geständig, bekundeten Reue und nahmen das Urteil an: 80 Tagessätze zu 25 Euro Geldstrafe für ihn, 40 Tagessätze zu acht Euro für sie.

„Na, super!“

Am Ende waren alle zufrieden, nur die Dame vom Versandhaus nicht. Als ihr der Staatsanwalt erläuterte, warum nicht alle faulen Bestellungen auch angeklagt worden waren und dass von dem betrügerischen Pärchen auch bei der Vollstreckung durch einen Gerichtsvollzieher so gut wie kein Geld zu erwarten sei, verließ die Frau mit einem „Na, super!“ auf den Lippen den Saal.

Von Karl Schönholtz

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