HZ-exklusiv: Volker Lechtenbrink spricht über Lear und seine Beziehung zu Bad Hersfeld

Spielen, so wie er es mag

Die Stiftsruine und ihr Umfeld gehören zu den Orten, die Volker Lechtenbrink in Bad Hersfeld am liebsten mag. Auch seine Wohnung, nur wenige Schritte entfernt, ist ihm als Rückzugsort wichtig. Und natürlich geht er gerne gut essen. „Im Stern gibt’s die beste Fischsuppe Europas“, ist er überzeugt. Foto: Zacharias

Bad Hersfeld. Es ist ein ganz besonderes Verhältnis zwischen Volker Lechtenbrink und Bad Hersfeld. Für ihn, den berühmten Sänger, Schauspieler, Film- und Fernsehstar und Intendanten, ist die Festspielstadt ein Stück Heimat. „Vor 46 Jahren war ich erstmals hier“, erinnert er sich. Zwei seiner Kinder seien hier mit aufgewachsen, er habe hier viele Stürme erlebt und insgesamt etwa vier Jahre seines Lebens in Bad Hersfeld verbracht.

Kein Groll

Und die Hersfelder? Die lieben Volker Lechtenbrink. Vielleicht noch einmal mehr, weil ihm nach drei höchst erfolgreichen Spielzeiten als Intendant 1997 der Stuhl vor die Tür gestellt wurde wegen des angeblich zu geringen Niveaus. Ein wenig schmerzt das immer noch, auch wenn Volker Lechtenbrink heute keinen Groll mehr hegt. Er sagt aber auch ganz klar: „Wenn Herr Boehmer heute noch Bürgermeister wäre, wäre ich nicht gekommen.“

Zu einer Matinee, in der er aus seiner Biografie „Gib die Dinge der Jugend mit Grazie auf“ las, war er im vergangenen Jahr in Bad Hersfeld zu Gast. „Da habe ich eine unheimliche Liebe erfahren. Das war wirklich überwältigend“, sagt Volker Lechtenbrink. Auch in der Stadt werde er immer wieder herzlich begrüßt: „Das ist ein schönes Gefühl.“

Und er freut sich auf seine Rolle, den König Lear. Eine der Rollen, so verrät er in seinem Buch, die er gerne noch spielen wollte.

Auf der Höhe der Macht

Was für ein Mann ist sein Lear? „Das weiß ich noch nicht genau“, sagt Lechtenbrink. Wichtig ist ihm, den Lear nicht als alten und klapprigen Mann zu zeigen, sondern als einen König auf der Höhe seiner Macht, der an einem Fehler zu Grunde geht, den er aus Eigenliebe und Selbstüberschätzung selbst begangen hat. Sein Lear wird also ein starker, machtbewusster, selbstverliebter Mann, der den Schmeicheleien seines Umfelds glaubt und mit Wahrheit oder gar Kritik nicht umgehen kann. „Das geht ja auch vielen Politikern so, dass sie denen trauen, die ihnen schönreden“, sieht Lechtenbrink einen aktuellen Bezug in der Shakespeare-Tragödie.

Gespielt wird übrigens die Fassung des Lear, die Volker Lechtenbrink vor 15 Jahren für die Ruine geschrieben hat. Allerdings in einer nochmals gekürzten Form: „Wir waren damals zu lang“, erinnert er sich. Die Arbeit an dem Stück empfindet er als sehr produktiv und konstruktiv. „Es wird auch viel gelacht. Ein ernstes Stück kann man nur ertragen, wenn auch mal gelacht wird“, sagt er.

Hat Volker Lechtenbrink Probleme, jetzt „nur noch“ Schauspieler zu sein, wo er früher Intendant war? „Ich will nicht mehr Intendant sein“, sagt er. Drei Jahre habe er nach den Bad Hersfelder Festspielen noch das Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg geleitet, „dann war es auch gut.“ Stolz ist Volker Lechtenbrink vor allem darauf, das Kindertheater in die Ruine gebracht zu haben. Und er ist nach wie vor überzeugt, dass das beste Argument für das Theater ein ausverkauftes Haus sei, so wie er es bei vielen seiner Stücke hatte. „Nur dann kann man weiter Theater machen.“

Altersgemäß spielen

Das möchte er selbst auf jeden Fall tun. „Die Arbeit ist immer sehr spannend und immer wieder neu“, sagt er. Er empfindet sie auch als Herausforderung an sich selbst und ans Älterwerden. „Ich versuche, meinem Alter gemäß zu spielen. Das finde ich am spannendsten“, sagt Volker Lechtenbrink, der mit 67 Jahren ein Alter erreicht hat, in dem andere schon längst in Rente sind. Doch es gibt noch einige Stücke, die er gerne spielen würde. „Vor Sonnenaufgang“ von Gerhard Hauptmann, zum Beispiel.

Sein berufliches Ende möchte Volker Lechtenbrink irgendwann einmal selbst bestimmen. „Ob ich da klug und weise genug bin, den richtigen Punkt zu erwischen, das wird die Zukunft zeigen“, sagt er und lacht.

Von Christine Zacharias

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